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13.03.2003

09:26 Uhr

Gemeinschaftsunternehmen von sechs Versicherern gescheitert

Terror-Versicherer gibt mangels Nachfrage auf

VonHolger Alich

Der Terror-Versicherer Special Risk Insurance and Reinsurance Luxembourg S.A. (SRIR), ein Gemeinschaftsunternehmen der Allianz, Zurich Financial Services, Swiss Re, XL Capital, Hannover Rück und Scor, hat nach nur einem Jahr den Geschäftsbetrieb mangels Nachfrage eingestellt und soll abgewickelt werden. Das kündigte SRIR-Chef Alan L. May in einem Brief an die Kunden an.

DÜSSELDORF. "Das Unternehmen hatte eine ganze Reihe von Anfragen, aber es gab nicht genügend Abschlüsse", sagte Steve Schleisman, Aufsichtsratschef von SRIR und Leiter der Allianz Global Risks (AGR) gegenüber dem Handelsblatt.

Der Terror-Versicherer ist nach den Anschlägen vom 11. September von den oben genannten Gesellschaften gegründet worden und hatte erst vor rund einem Jahr den Geschäftsbetrieb aufgenommen. SRIR hatte Unternehmen mit Sitz in der EU Versicherungsschutz für Gebäude in einem Umkreis von 600 Metern für Terror-Risiken angeboten. Die Deckung war auf 275 Mill. Euro pro Risiko limitiert. In Branchenkreisen wurden aber stets die hohen Preise für den Terror-Schutz kritisiert.

Schleisman führt die mangelnde Nachfrage vor allem auf die Risiko-Haltung der Kunden zurück: "Die Unternehmen wissen schon, dass es ein grundsätzlich erhöhtes Risiko durch Terror gibt. Gleichzeitig glaubt jeder: Mich wird es nicht treffen."

SRIR-Chef May begründet das Scheitern des Terror-Versicherers auch mit dem zunehmenden Angebot an Terror-Deckung - unter anderem auch durch staatlich rückgedeckte Versicherungs-Programme.

In Deutschland bietet die staatlich rückgedeckte Extremus AG Versicherungsschutz für Terror-Risiken. "Unser Geschäft läuft gut, wir werden nicht schließen", sagte Extremus-Vorstand Dirk Haarbrücker dem Handelsblatt. Zu den Prämieneinnahmen wollte er sich aber nicht äußern.

Extremus bietet Industriekunden Sachwertschutz und Betriebsunterbrechungspolicen für Terror-Risiken in Deutschland mit Deckungssummen ab 25 Mill. Euro. Insgesamt steht Extremus eine Kapazität von 13 Mrd. Euro zur Verfügung, bis 3 Mrd. Euro Schäden zahlen Versicherer, für darüber hinaus gehende Terror-Schäden haftet die Bundesregierung bis 13 Mrd. Euro.

Der gescheiterte Spezial-Versicherer wird laut Schleisman nun abgewickelt, sprich, die bestehenden Policen behalten ihre Gültigkeit, nach Auslaufen aller Policen wird die Gesellschaft liquidiert. "Ein Verlust ist der Allianz nicht entstanden", sagte Schleisman. Die Allianz selbst wird ihren Industrie-Kunden keinen Terrorschutz anbieten, bekräftigte der Chef der weltweiten Industrieversicherungsdivision der Allianz.

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