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10.03.2003

16:56 Uhr

Genaue Zahlen noch unbekannt

Insolvenz drückt Babcock tief in rote Zahlen

Der Maschinen- und Anlagenbauer Babcock Borsig hat in Folge seiner im vorigen Sommer angemeldeten Insolvenz Unternehmenskreisen zufolge im abgelaufenen Geschäftsjahr 2001/2002 einen drastischen Verlust erlitten. Der Verlust sei maßgeblich durch Wertberichtigungen auf Beteiligungen verursacht worden, hieß es am Montag aus den Kreisen.

Reuters DÜSSELDORF. Im Zuge der seit September laufenden Insolvenz in Eigenverwaltung seien zahlreiche Werte neu und in der Regel niedriger angesetzt worden. Über die Höhe des Verlustes im abgelaufenen Geschäftsjahr, das wegen der am 1. September angemeldeten Insolvenz einen Monat früher als regulär endete, war zunächst keine zuverlässige Auskunft erhältlich. In der Presse waren in den vergangenen Tagen Fehlbeträge zwischen zwei und 2,5 Mrd. ? spekuliert worden.

Der Babcock-Aufsichtsrat war am Montagvormittag zu seiner Bilanz feststellenden Sitzung zusammengetroffen. Ein Babcock-Sprecher wollte weder über den Jahresabschluss noch über weitere Ergebnisse der Sitzung des Kontrollgremiums Auskunft geben. Über die aktuellen Zahlen werde Vorstandschef Horst Piepenburg voraussichtlich Ende März informieren. Für 2000/01 hatte der Babcock-Borsig-Konzern einen Verlust im gewöhnlichen Geschäft von 77,6 Mill. ? und einen Jahresüberschuss von 26,2 Mill. ? ausgewiesen.

Unklar blieb auch, auf welche künftige Zusammensetzung des Aufsichtsrates sich dessen Mitglieder verständigt haben. Seitens der Arbeitnehmervertreter im Gremium hatte es vor der Sitzung geheißen, alle Vertreter der Kapitalseite wollten im Anschluss daran ihre Mandate zurückgeben. Bewerber um die Nachfolge gebe es nicht. Bislang hatte nur der Aufsichtsratschef, der frühere WestLB-Vorstandsvorsitzende Friedel Neuber, zu erkennen gegeben, er werde sich aus dem Aufsichtsrat zurückziehen.

Gegen Neuber und weitere sieben Aufsichtsräte und Vorstände der Babcock Borsig ermittelt die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft seit vorigem Sommer wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung und Untreue. Im Februar hatte sie in einer bundesweiten Durchsuchungsaktion bei diesen Verdächtigten beziehungsweise deren Büros nach eigenen Angaben umfangreiches Material sicher gestellt.

Babcock hatte im vorigen Juli Insolvenzantrag gestellt, nachdem Bemühungen um eine Sanierung am Widerstand der Banken gescheitert waren. Die finanzielle Schieflage des Oberhausener Traditionskonzerns war längere Zeit auf die im Frühjahr bekannt gegebene Trennung vom lukrativen Werftengeschäft der Kieler HDW zurückgeführt worden. Inzwischen hat der Insolvenzverwalter Helmut Schmitz aber den Verdacht geäußert, Babcock sei schon spätestens Anfang 2002 zahlungsunfähig gewesen.

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