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29.01.2002

00:00 Uhr

Generationswechsel

Neue Bank-Bosse müssen hart durchgreifen

VonHermann-Josef Knipper

Das Theater um die künftige Führungsstruktur der Deutschen Bank und die derzeitige Ertragskrise der Finanzinstitute liefern den Beweis: die neue Generation der Top-Banker muss vieles anders und besser machen als die Vorgänger. Der Kreditwirtschaft stehen nicht nur neue Namen, sondern auch neue Konzepte ins Haus.

FRANKFURT/M. Rückblick: Der seit einem Jahr amtierende Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Rolf-E. Breuer, stellt sich im Herbst 1997 in der Stadthalle Wuppertal 300 ausgelosten Mitarbeitern zum Gespräch. Unter dem Motte "Offen gesagt" beantwortet ein selbstbewusster Breuer drei Stunden lang souverän Fragen über Fragen. "Wo setzt das aktuelle Kostenmanagement an?" Antwort: "Nicht an der Basis. Hier haben wir genug gespart." Oder: "Wollen Sie das Filialnetz ausdünnen?" "Nein, ein Rückzug aus der Fläche kommt nicht in Frage." Aufbruchstimmung wäre wohl der treffende Begriff, um das damalige Ambiente zu beschreiben.

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Szenenwechsel: Pressekonferenz zur Jahreswende 2001/2002 in Frankfurt. Als frisch gekürter Präsident des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) schreibt Breuer sich selbst und seinen Kollegen ins Stammbuch: "Die deutsche Kreditwirtschaft befindet sich in einer Strukturkrise, die ernsthafter, deutlicher und fundamentaler ist, als ich es bislang angenommen habe." Keine Aufbruchstimmung - eher Alarmstimmung.

In der Tat: Krisensignale, wo man hinschaut. Alle deutschen Banken und Sparkassen - auch die Deutsche Bank - bauen Zehntausende von Arbeitsplätzen ab. Die Zahl der Zweigstellen sinkt rapide. Das Bankgeschäft in Deutschland produziert nach ein paar fetten Jahren rote Zahlen. Allen ist klar, dass sich die Branche einer schmerzhaften Rosskur unterziehen muss. Breuers Versprechen von 1997 wirkt heute wie ein schlechter Scherz.

Den steinigen Weg, den die Deutsche Bank und die anderen Finanzdienstleister auf Grund der schweren Struktur- und Ertragskrise in den nächsten Jahren vor sich haben, hat Rolf-E. Breuer mit seinem Statement bei seiner Premiere als BdB-Präsident zum Jahreswechsel vorgezeichnet. Das mühsame Wandern auf diesem Weg jedoch überlässt die scheidende Generation der Top-Banker um Breuer jedoch den Nachfolgern.

Mit den neuen Namen werden sich schnell neue Wege und Konzepte verbinden. Denn die Zeit drängt. Der Markt, die Aktionäre, Mitarbeiter und vor allem Kunden warten auf positive Signale. Was Breuer-Nachfolger Josef Ackermann an Neuausrichtung und Sparpolitik in der Deutschen Bank plant, wird sich ähnlich auch bei anderen Instituten abspielen.

Wer in den nächsten Monaten bei Banken und Versicherungen geht und kommt, und was dies für die Institute, die Branche und den Finanzplatz Deutschland zu bedeuten hat, das soll die neue Handelsblatt-Serie "Generationswechsel im Geldgewerbe" aufzeigen. Die Serie beginnt heute, weil in den nächsten Tagen und Wochen die Bilanzzahlen für 2001 und die Prognosen für 2002 vorgelegt werden. Zudem steht der Wechsel in der führenden Finanzgruppe Deutschlands unmittelbar bevor.

Wer sind die neuen Entscheider in den Chefetagen der Geldhäuser? Wer oder was hat sie geprägt? Unter welchen Zwängen stehen sie? Welche Schwerpunkte wollen oder müssen sie setzen? Gibt es Fusions- oder Übernahmepläne? Wo werden die verschiedenen Geschäftszweige angesiedelt? Wie viele Arbeitsplätze und Zweigstellen werden auf der Strecke bleiben? Und schließlich: Wie wird die Finanzdienstleister-Landschaft in fünf Jahren aussehen, wenn die heute neuen Bankchefs langsam wieder nach ihren Nachfolgern Ausschau halten müssen? Wird dann der Finanzplatz Frankfurt nur noch im Museum zu besichtigen sein? Diese und viele andere Fragen, die sich aus dem Generationswechsel ergeben, wird die Serie in den nächsten Wochen zu beantworten versuchen.

Wohin die Reise gehen wird, demonstriert neben dem Trendsetter Deutsche Bank zurzeit auch ein anderes Frankfurter Finanzhaus, in dem der Generationswechsel bereits acht Monate zurückliegt - die Commerzbank. Die viertgrößte der deutschen Privatbanken wird nach der Ära Kohlhaussen von dem Rheinländer Klaus-Peter Müller geführt, der seit dem ersten Tag ein gnadenloses Sparprogramm durchpeitschen muss. Trotzdem dürfte die Commerzbank nächsten Montag für das vergangene Jahr einen Verlust präsentieren. Das Bemühen Müllers, die Commerzbank, deren Börsenwert im Keller hängt, als Braut attraktiv zu machen, wird die Serie in den nächsten Tagen untersuchen.

Spannend ist auch der Blick nach München. Dort sitzt mit Allianz-Chef Henning Schulte-Noelle der Hauptdrahtzieher der deutschen Finanzszene. Sein Rückzug liegt zwar noch in weiter Ferne. Doch die potenziellen Nachfolger bringen sich bereits in Position. Schon aktuell ist das Ringen um die Nachfolge des Chefs der Münchener Hypo-Vereinsbank, Albrecht Schmidt: Seit 1990 schon sitzt er auf dem Chefsessel, den er im kommenden Jahr freimachen will.

Wie es im laufenden Gerangel um die HVB-Spitze steht, werden wir in der Generationswechsel-Serie detailliert darstellen. Wie bei der Commerzbank, wo die Münchner Rück seit wenigen Tagen mit rund 10 % der Aktien zum größten Aktionär wurde, gibt der führende Rückversicherer der Welt hinter den Kulissen auch bei der HVB den Ton an. Wer wird Schmidt beerben? Was passiert mit Schmidt selbst, wird er Aufsichtsratschef? Viele Fragen sind offen, und die Spekulationen auf den Bankfluren sprießen wie Schneeglöckchen bei milden Wintertemperaturen.

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