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04.03.2003

08:32 Uhr

Genfer Salon

Kommentar: Das Weltauto kommt

VonJosef Hofmann

Wenn der Genfer Automobilsalon in dieser Woche eröffnet wird, schlagen die Herzen der Automobilfans wieder höher. Auch die Herzfrequenz der Autobauer wird sich erhöhen - allerdings weniger aus Vorfreude denn aus Nervosität.

Denn die Nabelschau am Genfer See gilt als Stimmungsbarometer für den wichtigen westeuropäischen Markt. Und der macht zurzeit alles andere als Freude. Die Branche beschwört seit Jahren den Aufschwung, doch Zuwachsraten werden höchstens in Asien, zum Teil in Osteuropa und markenabhängig in den USA erzielt. In Westeuropa halten sich die Käufer zurück. Wirtschaftsflaute und Irak-Krise drücken auf die Stimmung.

Dabei haben die Automobilhersteller in den letzten Monaten nichts unversucht gelassen, die Lust auf das Auto zu erhöhen. Nie bekam der Kunde beispielsweise in Deutschland für sein Geld mehr Auto. Die Rabattschlachten werden mit Einfallsreichtum geführt, das reale Preisniveau sinkt. Je länger der Preiskampf anhält, desto tiefer werden seine Spuren in den Ergebnissen sein.

Denn auch das Aufspüren von Sparpotenzialen für die Unternehmen stößt an seine Grenzen. So haben die Autofirmen gerade in den vergangenen Jahren ihre Ergebnisse noch mit Milliardenersparnissen beispielsweise beim Einkauf aufpolieren können. Doch die Spielräume in der Zulieferbranche, die ein Großteil der Last zu tragen hatte, sind denkbar eng geworden. Die Häufung der Rückrufaktionen im vergangenen Jahr ist ein Signal dafür, dass diese Sparschraube ihren Anschlag fast erreicht hat. Wird weiter an ihr gedreht, leidet die Qualität.

Das zweite große Sparpotenzial, die Verwendung gleicher Teile in möglichst vielen Modellen, ist ebenfalls nicht unendlich ausbaubar. Zu groß ist auch hier die Gefahr, dass die Markenidentität Schaden nimmt. Gleichzeitig zwingen die Kundenwünsche die großen Automobilhersteller zu einer immer breiteren Modellpalette. Geländewagen, Vans, Roadster und Cabrios jagen den Brot-und-Butter-Autos Jahr für Jahr Marktanteile ab. Doch mehr Modelle bedeutet letztlich höhere Kosten. Sie aufzufangen geht auf Dauer nur über höhere Stückzahlen.

Wenn der Markt aber keine höheren Verkaufszahlen hergibt, muss die Branche nach anderen Wegen suchen. Nachdem die Phase der großen Firmenzusammenschlüsse vorbei ist, heißt das Zauberwort Kooperation. Schon jetzt gibt es kein Unternehmen mehr, das nicht bei Modell- oder Motorenentwicklung mit einem seiner Konkurrenten zusammenarbeitet. So kommt die Branche dem Weltauto, das als Konzept für den einzelnen Hersteller gescheitert ist, zumindest unter dem Blechkleid wieder ein Stück näher.

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