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26.03.2003

10:10 Uhr

Genossenschaftliches Spitzeninstitut kritisiert Mittelstandsbank

WGZ Bank warnt vor einem Preiskampf

VonCaspar Dohmen (Handelsblatt)

Die WGZ Bank befürchtet einen Preiskampf durch eine ungleiche Konkurrenz mit der neuen Mittelstandsbank des Bundes: Das Institut könnte den Wettbewerb durch staatliche Subventionen verzerren. Schon der Name "Mittelstandsbank" stößt bei Genossenschaftsbanken wie auch Sparkassen auf Ablehnung.

DÜSSELDORF. Der Streit um die neue "Mittelstandsbank" des Bundes schwelt weiter. Das Institut entsteht durch die Fusion der beiden staatlichen Förderbanken Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und Deutsche Ausgleichsbank (DtA). Gestern warnte der Vorstandschef der genossenschaftlichen WGZ-Bank, Werner Böhnke, mit ungewöhnlich deutlichen Worten vor Gefahren durch das neue Institut: Keineswegs dürfe es zu einem Preiskampf um Mittelstandskredite kommen, in dem das neue Institut als "quasi staatlich subventionierter Wettbewerber" gegenüber anderen Banken im Vorteil sei.

Ein derartiger Preiskampf werde eine Rückzugsbewegung von Banken aus dem Geschäftsfeld Mittelstandsfinanzierung in Gang setzen, "den wir für strukturpolitisch außerordentlich bedenklich halten", sagte Böhnke gestern in Düsseldorf. "Vor dem Hintergrund halte ich auch die Firmierung als Mittelstandsbank als offensichtlich gewünschtes Alleinstellungsmerkmal für populistisch und durchaus auch für irreführend."

In dieser Frage sind die Genossenschaftsbanken und die Sparkassen auf einer Linie. "Die Begrifflichkeit Mittelstandsbank für das Institut ist unglücklich", sagte gestern ein Sprecher des Deutschen Sparkassen und Giroverbandes (DSGV). Die Kunden könnten irrtümlicherweise denken, sie könnten Förderkredite direkt über die KfW beziehen. Zudem nehmen Genossenschaftsbanken und Sparkassen für sich in Anspruch, Mittelstandsbanken zu sein.

Eine klare Absage erteilte Böhnke einem Zusammenschluss mit dem größeren genossenschaftlichen Spitzeninstitut, der DZ-Bank. "Eine Fusion ist gegenwärtig kein Thema." Gleichwohl setzen die Düsseldorfer auf einen Ausbau der Zusammenarbeit. Themen sind hier unter anderem das Immobiliengeschäft und der Zahlungsverkehr.

Deutlich forciert hat die WGZ im Jahr 2002 die Zusammenarbeit mit ihren 272 angeschlossenen Genossenschaftsbanken. Das Zentralinstitut entwickelt eine Angebot zur Unterstützung des Kreditrisikocontrollings; im Einsatz seien Angebote zur Unterstützung des Zinscontrollings und der strategischen Steuerung. Bisher nutzen laut Böhnke 40 Institute die Leistungen. Rechnen würden sich die Angebote, sollten 60 bis 80 % der Banken mitmachten.

Trotz eines um knapp 18 % gesunkenen operativen Ergebnisses hielt die WGZ ihr Nettoergebnis stabil. Der Jahresüberschuss stieg auf 74,2 (73,7) Mill. Euro. Ursachen waren besonders die auf knapp 13 (117) Mill. Euro drastisch gesunkenen Aufwendungen für Steuern und Sonderfaktoren. So hätten Buchgewinne aus Beteiligungen an der DZ Bank und der Bausparkasse Schwäbisch- Hall zu einem außerordentlichen Beteiligungsergebnis von 295 Mill. Euro geführt. Von den Buchgewinnen sei aber ein "erheblicher Teilbetrag" in die stillen Reserven geflossen. In die Risikovorsorge wurden 290 Mill. Euro eingestellt, nach gut 79 Mill. Euro im Vorjahr. Im operativen Geschäft fiel der Rückgang des Betriebsergebnisses vor Risikovorsorge auf 141 (171) Mill Euro laut Böhnke "vergleichsweise glimpflich" aus. Die Bank habe sich aber dem allgemein schlechten Branchentrend nicht entziehen können. Für 2003 prognostiziert er keine durchgreifende Besserung der konjunkturellen und wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen.

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