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21.01.2002

10:36 Uhr

Gentherapie schwieriger als gedacht

Forscher bremsen Euphorie

Nach zahlreichen Erfolgsmeldungen in der Gentherapie gibt es jetzt Berichte, die vor einer zu großen Euphorie warnen. So haben beispielsweise Wissenschaftler an der Universität von Washington festgestellt, dass eine Gentherapie, bei der mit Hilfe von Viren ein Gen in Zellen eines Patienten eingeschleust und in die Zell-DNA eingebaut wird, Veränderungen der Chromosomenstruktur verursachen kann.

wsa/xpre DÜSSELDORF. Die Forscher übertrugen mit so genannten adenoassoziierten Viren (AAV) ein Resistenzgen in eine Laborkultur von Krebszellen. Anschließend analysierten sie den Chromosomen-Abschnitt, der das Fremdgen enthielt. An den Stellen, wo das Gen eingefügt wurde, entdeckten die Forscher in vielen Fällen fehlende DNA-Sequenzen, neu arrangierte Chromosomenabschnitte und zusätzliche Sequenzen unbekannter Herkunft.

Noch wissen die Wissenschaftler nicht, ob die Chromosomenbrüche beim Einbau der Virus-DNA erzeugt werden "oder ob der DNA-Einbau in bereits existierende Bruchstellen erfolgt", schreiben die Wissenschaftler in einer Online-Publikation der Zeitschrift Nature Genetics.

Einen Rückschlag mussten auch die Mediziner hinnehmen, die mit einer Stammzelltransplantation Multiple Sklerose behandeln wollen. Amerikanische Wissenschaftler hatten im Gehirn verstorbener MS-Patienten Zellen entdeckt, die offenbar versucht hatten, den entstandenen Schaden zu reparieren. Aus einem unbekannten Grund sind sie jedoch nicht erfolgreich gewesen.

Die Forscher hoffen nun auf einen Weg, solche Zellen zu unterstützen. Eine Stammzelltherapie erscheine nach dieser Entdeckung wenig erfolgversprechend, schreiben die Forscher im New England Journal of Medicine (Bd. 346, S. 199).

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