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22.05.2000

18:25 Uhr

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Geplantes Airline Portal "keine Kampfansage gegen traditionelle Reisebüros"

VonCarsten Herz

Die Deutsche Lufthansa AG (LH) erwartet in den kommenden Jahren einen deutlichen Schub durch den Direktvertrieb. Die Fluggesellschaft plant, den Anteil der Buchungen über Internet und Call Center bis 2005 von bislang 7 % um mehr als zu vervierfachen.

HB FRANKFURT. Das sagte der neue Vertriebsvorstand der Lufthansa, Thierry Antinori dem Handelsblatt. Damit würde in fünf Jahren bereits jedes dritte Ticket der Lufthansa von der Airline selbst verkauft.

Der Hauptumsatzträger im Internetvertrieb der Lufthansa, der InfoFlyway, habe bereits in den ersten drei Monaten dieses Jahres die Hälfte der Buchungen des Vorjahres verzeichnet, sagte Antinori. Das Marktforschungsinstitut Forrester Research erwartet in den kommenden drei Jahren eine Verdreifachung der im Online-Reiseverkauf erzielten Umsätze. Antinori zeigte sich zuversichtlich, dass die Lufthansa ihre führende Position im Online-Reisemarkt ausbauen werde

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Mit 46 Mill. Kundenzugriffen pro Monat verzeichnete der Info- Flyway 1999 mehr Kundenkontakte als alle anderen Online-Reiseshops in Deutschland zusammen, erläuterte Uwe Weinrich, Analyst bei der Bankgesellschaft Berlin.

Auch von dem Online-Reisemarkt, den die Lufthansa zusammen mit zehn anderen europäischen Fluggesellschaften bis Ende des Jahres aufbauen will, erwartet sich Antinori erhebliche Einsparungen bei den Vertriebskosten. Das Angebot soll in den nächsten zwei Jahren einen wesentlichen Anteil der europäischen Online-Reisebuchungen auf sich vereinigen.

Für die Online-Reisebüros der ersten Stunde ist die Offensive der Airlines ein harter Schlag. Nach Ansicht von Experten kontrollieren die umsatzstarken Anbieter - Touristikkonzerne und Fluggesellschaften - die Produkte und können damit kleinere Internet-Reisebüros aus dem Felde schlagen. Antinori ist sich sicher, dass in Europa höchstens Platz für fünf bis zehn Reise- Portale gibt; alles andere werde sich zum Nischenanbieter entwickeln.

Das Airline-Portal sei aber keine Kampfansage gegen die traditionellen Reisebüros, beteuerte der Vertriebsvorstand. Plänen deutscher und US-Reisebüros, gegen den geplanten Online-Reisemarkt kartellrechtlich vorzugehen, gibt Antinori keine Chance. Das Projekt komme den Kunden zugute und stünde auch weiteren Fluggesellschaften offen. Mit von der Partie sind neben Lufthansa bisher British Airways, Air France, Alitalia, KLM, Iberia, SAS, Aer Lingus, Austrian Airlines, British Midland und Finnair. Die Kunden sollen sich im Online-Reisemarkt direkt die günstigsten Flugtarife der beteiligten Gesellschaften heraussuchen können. Das Angebot soll auch Hotels, Mietwagen und Reiseversicherungen umfassen.

Das Reise-Portal der europäischen Airlines, dessen Name in zwei bis vier Wochen verkündet werde, soll in den nächsten Jahren Branchenführer in Europa werden und den Vorstoß der US-Konkurrenz abfangen, die bereits im Sommer mit einem Online-Reiseportals an die Öffentlichkeit gehen will. Pläne für ein eigenes Online-Reisebüro, das die Lufthansa bislang angekündigt hatte, sind nach Worten Antinoris mit dem Internet-Projekt aber nicht vom Tisch. "Wir halten uns die Möglichkeit weiter offen."

Die fünf führenden amerikanischen Airlines hatten unter Beteiligung von rund 25 weiteren internationalen Fluggesellschaften bereits im November einen virtuellen Reise-Marktplatz angekündigt. Das US-Unternehmen will seinen Namen im Juni bekannt geben.

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