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29.01.2003

20:00 Uhr

Geringe US-Vorräte

Kriegsängste treiben Ölpreis

Sorgen über die Versorgung mit Rohöl im Falle eines Irak-Krieges und ein starker Rückgang der US-Heizölvorräte haben den Ölpreis am Mittwoch wieder kräftig anziehen lassen.

Reuters LONDON. Für ein Barrel (knapp 159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent zur Lieferung im März wurden am Abend mit 31,10 Dollar 83 US-Cent mehr bezahlt als am Vortag. Leichtes US-Öl verteuerte sich um einen Dollar auf 33,76 Dollar.

Auf die Rede von US-Präsident George W. Bush hatte der Markt zunächst kaum reagiert. Bush hatte seine Landsleute in der Nacht zum Mittwoch (MEZ) in seiner Rede zur Lage der Nation auf einen möglichen Irak-Krieg vorbereitet. "Der Markt hat akzeptiert, dass es Krieg geben wird, und das ist im Preis enthalten", sagte Öl-Analystin Sarah Emerson von Energy Securities Analysis. "Der Zeitplan wurde vor Monaten mit den Truppenverlegungen gesetzt. Sie werden alle Ende Februar ankommen." Die Angst vor einem Krieg gegen Irak und damit vor der Beeinträchtigung der Ölförderung aus der gesamten Golfregion hatte den Ölpreis in den vergangenen Monaten kräftig in die Höhe getrieben.

Bush kündigte für den 5. Februar die Vorlage von Beweisen für verbotene Waffenprogramme des Irak durch US-Außenminister Colin Powell an und drohte mit einem Militärschlag: "Falls uns der Krieg aufgezwungen wird, werden wir mit der ganzen Kraft und Macht des Militärs der Vereinigten Staaten kämpfen - und wir werden siegen." Bis dahin werde der Markt wenig Orientierung haben, sagten Analysten. "Der Markt kann jetzt über einen neuen Termin nachdenken, bis dahin wird jeder versuchen, aus dem Kaffeesatz zu lesen, was Powell vorzutragen hat."

Britische und US-Soldaten werden derzeit in die Golf-Region verlegt und sind voraussichtlich in der zweiten Februarhälfte einsatzbereit.

Deutlichen Auftrieb erhielten die Preise Händlern zufolge von der jüngsten Vorratsstatistik des US-Energieministeriums. Danach sind die Heizölbestände während der seit zwei Wochen andauernden Kältewelle im Osten der USA um drei Millionen Barrel oder acht Prozent geschrumpft. Die Vorräte liegen den Angaben zufolge damit um 16 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Heizöl kostet in den USA derzeit 25 Prozent mehr als vor einem Jahr und ist so teuer wie seit fast zwei Jahren nicht mehr. "Die Situation verschlechtert sich mit einer alarmierenden Geschwindigkeit", sagte Paul Horsnell von J.P.Morgan.

Weiter starken Einfluss auf die Ölpreisentwicklung hat zudem die Entwicklung im Ölförderland Venezuela. Dort ist die Ölförderung mittlerweile seit gut acht Wochen durch einen Generalstreik stark beeinträchtigt. Der weltweit fünftgrößte Ölexporteur liefert normalerweise etwa 13 Prozent des Ölbedarfs der USA.

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