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28.04.2003

13:39 Uhr

Geringes Zuschauernínteresse in Österreich

Meistermacher Christoph Daum will das Double

Meistermacher Christoph Daum will das Double - und dann mit dem Austria-Express auf Europa-Tour. Am Erfolg des früheren Bundesliga-Trainers und dem vorzeitig erkämpften Titel mit Austria Wien hatte niemand ernsthaft gezweifelt. Auch dass die Daum-Truppe fünf Spieltage vor Saisonende mit 21 Punkten Vorsprung ihre Dominanz in der österreichischen Bundesliga unter Beweis stellte, wunderte weder Fans noch Experten. Denn Dank der Millionen des austro- kanadischen Milliardärs Frank Stronach ist das Hauptstadt-Team - zumindest auf dem Papier - den neun Mitbewerbern weit voraus.

HB/dpa WIEN. Doch in die ausgelassene Meisterfeier am Sonntagabend nach dem 2:1-Sieg beim Tabellenzweiten Grazer AK mischten sich auch kritische Töne. "Die Austria wäre auch mit Schachner Meister geworden", ätzte Österreichs Nationalcoach Hans Krankl. Walter Schachner war Daums Vorgänger. Inmitten aller "Christoph, Christoph"-Sprechchöre warnte Daum: "Machen wir uns doch nichts vor. Ohne das Herzblut von Frank Stronach würde vieles ganz anders aussehen. Sein finanzielles Engagement hat Bedingungen geschaffen, die gute Arbeit zulassen."

Nach dem VfB Stuttgart und Besiktas Istanbul ist Austria Wien Daums dritter Meisterclub. Doch dürften die beiden vorangegangenen Titel sich vom österreichischen Erfolg unterscheiden. "Dass nicht einmal bei einem solchen Spitzenspiel das Stadion ausverkauft ist, das tut weh!", klagte Daum. Nur 8730 Zuschauer hatten den Weg ins Schwarzenegger-Stadion gefunden.

Daum widerspricht allen Abwanderungsgerüchten

Für Daum ist der Bundesliga-Thron nur eine Stufe seiner Austria- Arbeit. Seine Mannschaft will das Double holen - und dann die Qualifikation für die Champions League schaffen. Salzburg ist der Gegner im Cup-Halbfinale. Schließlich will Mäzen Stronach seine Truppe "ganz oben in Europa" mitspielen sehen. "Meine Planung zielt in der nächsten Saison voll auf die Austria ab", widersprach Daum zugleich allen Abwanderungsgerüchten.

Daum war in den wenigen Monaten seiner Trainerarbeit in Wien durch allzu offene Äußerungen immer wieder angeeckt. Zum mangelnden Niveau in der hiesigen Bundesliga meinte er, für seine Austria-Elf seien die Trainingsspiele härter als die Ligaauftritte. Die Spieler hatte er wegen mangelnder Leistung immer wieder zusammengestaucht. "Wenn's nicht gelaufen ist, haben wir im richtigen Moment einen Tritt in den Hintern bekommen", meinte Austria-Profi Thomas Flögel nach der Meisterschaft einsichtig.

Daum hat gegen "die österreichische Jammerei" gekämpft und über mangelnden Professionalismus allerorten geklagt. "Ich bin ganz schön desillusioniert worden." Den jungen Spielern riet er zu lernen, "wie man eine Drecksau wird" und sich "für den Club und das Land den Arsch aufzureißen". In Österreich sonnten sich zu viele zu gut bezahlte Spieler in der Hängematte. "Statt zu sagen: Junge, du musst dich da mal durchbeißen, Junge, du musst auch mal Gras fressen, wird ihm hier ein schöner Weg geebnet."

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