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17.07.2000

16:00 Uhr

Geschäftsführer der Netzzeitung GmbH wird Ex-Stern-Chefredakteur Michael Maier

Erste deutsche Internetzeitung geht im Herbst an den Start

In Berlin wird noch im Herbst eine reine Internetzeitung an den Start gehen. Das Angebot, das der 1996 in Norwegen gegründeten Nettavisen (Netzzeitung) nachempfunden ist, will sich als erste "ausschließlich im Internet" publizierte Tageszeitung Profil verschaffen. Seit 1999 gehört Nettavisen zum Internet-Portal Spray Network, an dem die schwedische Investorengruppe Investor maßgeblich beteiligt ist.

jgo BERLIN. Als Chefredakteur hat die Netzzeitung GmbH nach monatelanger Suche den ehemaligen "Stern"-Chefredakteur Michael Maier verpflichtet. Der 42 Jahre alte Journalist, der vor dem Debakel beim Stern als Chefredakteur der "Berliner Zeitung" gearbeitet hatte, wird mit dem Arbeitsbeginn in Berlin Anfang Oktober zugleich auch als Geschäftsführer der Zeitung fungieren.

Nach Informationen von Handelsblatt.com hatte der Nettavisen-Ableger ursprünglich schon früher an den Start gehen sollen. "Der deutsche Markt ist sehr anspruchsvoll", sagt Knut Ivar Skeid, einer der Gründer des norwegischen Originals, der das Projekt in Berlin begleitet, auf Anfrage. "Aber wir sehen auch das große Potenzial. Deutschland ist der größte Markt in Europa." Skeid verweist auf den Erfolg der norwegischen Netzzeitung. Derzeit verbuche Nettavisen in Norwegen 30 Mill. Page Impressions im Monat und sei profitabel. Nach seinen Worten wird die Internetzeitung zu 98 Prozent über Anzeigenerlöse finanziert. In Norwegen beschäftigt die Internetzeitung laut Skeid derzeit 35 bis 40 Redakteure und außerdem freie Mitarbeiter.

Noch viele Fragen offen

Über die Zahl der Redakteure, die derzeit schon in der Albrechtstraße an Dummys arbeiten, will sich Skeid nicht äußern. Da der deutsche Markt größer sei, müssten wohl etwas mehr Redakteuren als in Norwegen verpflichtet werden, sagt er. Laut Skeid ist es für das in Deutschland noch weitgehend unbekannte Unternehmen nicht schwierig, qualifzierte Journalisten zu finden, da Journalisten dem Internet aufgeschlossen gegenüber stünden. Zum Start in Herbst werde die Netzzeitung mit 30 Redakteuren an den Start gehen, stellt er in Aussicht. Derzeit hat das Unternehmen etwa halb so viele Mitarbeiter in Berlin.

Skeids Auffassung nach hat eine reine Internetchance auch im dicht besetzten deutschen Markt Aussicht auf Gewinne. "Bei einer Zeitung decken die Verkaufspreise auch nur Vertrieb und Druck, und auf den können wir verzichten", sagt Skeid. Das Wort Content, das in der Diskussion über die Profitabilität von Zeitungen oft verwendet werde, gefalle ihm nicht. Es komme darauf an, guten Journalismus zu bieten. Wie der aussehen soll, will Skeid aber noch nicht sagen. Auch zum Investititonsvolumen und zur Positionierung des Angebots will sich Skeid auf Anfrage nicht weiter äußern. Auf jeden Fall werde die Internetzeitung als unabhängiges Angebot starten. Eine Integration der Inhalte in das Internetportal von Spray Network sei wenig sinnvoll.

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