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26.06.2000

17:00 Uhr

"Geschenk an die Menschheit"

Forscherteam HGP meldet Entschlüsselung des menschlichen Erbguts

Das internationale Human-Genom-Projekts hat 97 % des menschlichen Erbgutes entschlüsselt. Die gewonnenen Daten werden der ganzen Welt zugänglich gemacht.

dpa LONDON. Zweieinhalb Monate nach den ersten Erfolgsmeldungen des US-Genforschers Craig Venter hat das internationale Human-Genom- Projekts (HGP) nach eigenen Angaben 97 % des menschlichen Erbgutes entschlüsselt. Vertreter des Zusammenschlusses zahlreicher Forschungsinstitute bezeichneten dies am Montag in London als eine der größten Leistungen der Menschheit. "Die Entschlüsselung des menschlichen Genoms ist mit dem ersten Menschen auf dem Mond verglichen worden, aber ich glaube, es ist mehr als das", sagte Michael Dexter, der Direktor des britischen Hauptsponsors Wellcome Trust. Sogar die Erfindung des Rads sei weniger bedeutend. "Unsere Gene machen schließlich unser Mensch-Sein aus", sagte Dexter.

Die entschlüsselten Erbinformationen würden der ganzen Welt zugänglich gemacht, sagte Dexter. Dies sei ein "einzigartiges Geschenk an die Menschheit". Das staatlich geförderte HGP, an dem auch deutsche Institute beteiligt sind, hatte in der Vergangenheit immer wieder seinen Hauptkonkurrenten Venter kritisiert, der sich die Entschlüsselung der Gene patentieren lassen und damit viel Geld verdienen will. Venters US-Unternehmen Celera Genomics hatte schon Anfang April die Entschlüsselung des menschlichen Erbgutes zu 99 % verkündet. Experten hielten dieses Ergebnis allerdings für fragwürdig.

Die Ergebnisse des HGP legen nach den Worten von Dexter die Grundlage für eine "Revolution in der medizinischen Diagnose und Behandlung". Bisher haben Gentherapien allerdings noch kaum Erfolg gehabt, sondern in mehreren Fällen zum Tod des Patienten geführt. Viele Wissenschaftler warnen deshalb vor übertriebenem Optimismus. Denn mit der Lokalisierung eines Gens hat man noch keine Möglichkeit der Diagnose oder gar Behandlung gefunden. Nur wenige Krankheiten beruhen auf einem Defekt eines einzigen Gens. Die häufigsten Krankheiten wie Bluthochdruck, Herzleiden, Schlaganfall, Diabetes oder Krebs sind zudem meist stark durch Umwelteinflüsse und Lebensführung bestimmt.

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