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21.12.2011

14:10 Uhr

Gesichter der Krise

Die Ministerpräsidentin, die ihre Karriere dem Euro opfert

VonStefan Menzel

Die slowakische Ministerpräsidentin Iveta Radicova will sich aus der Politik zurückziehen. Das ist der harte Preis, den sie für das Ja zur EFSF-Aufstockung im Parlament von Bratislava gezahlt hat.

Iveta Radicova: „An meinem Gesicht konnte man ablesen, wie ich gegen die Tränen kämpfte.“ AFP

Iveta Radicova: „An meinem Gesicht konnte man ablesen, wie ich gegen die Tränen kämpfte.“

WienNoch steht sie für ein paar Tage im Rampenlicht, etwa auf den EU-Gipfeln in Brüssel oder in der Heimat bei ihren Reden vor dem Parlament in Bratislava. Doch damit wird schon in wenigen Wochen Schluss sein, Iveta Radicova will das Kapitel Politik in ihrem Leben beenden.

Die Slowakei schafft es selten in die Weltpresse, und auch die 55-jährige Ministerpräsidentin taucht meist nur in den Medien ihres Heimatlandes auf. Im vergangenen Oktober war das alles ganz anders: Die Slowakei war das letzte Land aus der Euro-Zone, das der Aufstockung des Rettungsfonds EFSF zustimmen musste. Und anfänglich sah es nach einem Nein der Slowakei aus, weil einer der Koalitionspartner Iveta Radicova die Gefolgschaft verweigerte und gegen den vergrößerten EFSF stimmte. Es half auch nicht, dass die Regierungschefin die Abstimmung über die Euro-Hilfen mit der Vertrauensfrage verband. Der kleine Koalitionspartner blieb bei seinem Nein und ließ EFSF-Aufstockung samt Regierung durchfallen.

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Eine Euro(pa)-Reise der besonderen Art haben die Korrespondenten des Handelsblatt im Jahresrückblick unternommen: Quer durch die Krisenzone suchten sie Einzelschicksale, Geschichten von Menschen auf der Straße.

Zwei Tage später passierten die neuen Euro-Hilfen dann doch das slowakische Parlament, weil die oppositionellen Sozialdemokraten in der zweiten Runde zustimmten. Sie hatten von der Regierung die Zusage für Neuwahlen bekommen, das war ihr Preis für das Ja zur EFSF-Aufstockung.

Aber die Regierung war am Ende. Ein hoher Preis also, den Iveta Radicova zahlen musste. Sie gestand kurz nach der Entscheidung ein, dass sie im Parlament den Tränen nahe war. Bis zum Schluss hatte sie für den Euro und die Regierungskoalition gekämpft. „An meinem Gesicht konnte man ablesen, wie ich gegen die Tränen kämpfte“, beschrieb sie ihre Enttäuschung über das Ende der Regierung.

Den Bruch der Koalition versteht sie als eine ganz persönliche Niederlage. Deshalb will sie bei den vorgezogenen Neuwahlen im März nicht mehr antreten und zieht sich gleich komplett aus der Politik zurück. Sie verzichtet künftig auf EU-Gipfel in Brüssel und auf flammende Reden im Parlament von Bratislava. Bis zu den Wahlen bleibt sie noch übergangsweise Premierministerin, danach ist aber endgültig Schluss mit der Politik.

Iveta Radicova will zurückkehren an die Universität, um wieder als Soziologie-Professorin zu forschen und zu lehren. Dort fühlt sie sich wohler und behüteter als in der Regierung oder im Parlament. Sie selbst versteht ihren Rückzug auch ein Stück weit als Protest gegen den Politik-Betrieb von heute, wo Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit kaum noch zählten. „Zur Politik gehören aber Werte dazu“, lautet ihr ganz persönliches Credo.

Damit macht sie sich fast schon zu einer Art von übergeordneter Instanz über den Politik-Betrieb ihres Landes. Iveta Radicova stellt sich über die Parteien und über das harte und wenig von Moral geprägte Tagesgeschäft im Parlament. Fast schon wie ein Staatspräsident. Deshalb ist das Nein von Iveta Radicova zur Politik vielleicht doch nicht das allerletzte Wort. In drei Jahren wird in der Slowakei ein neuer Präsident gewählt. So mancher in ihrem Umfeld in der Staatskanzlei in Bratislava spekuliert darauf, dass sie 2014 doch wieder auf die politische Bühne zurückkehren könnte. Man wird sehen.

Kommentare (6)

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Mollemopp

21.12.2011, 15:24 Uhr

Wir Politiker sind Raubtiere. Wir sind dazu geboren die Schwächeren zu vernichten und aufzufressen. Dabei ist es völlig egal, ob uns die Schwächeren in der Bevölkerung zum Opfer fallen oder die in den eigenen Reihen. Wir würden sogar ein Familienmitglied verraten, verkaufen oder vernichten, wenn es unserer Karriere dienlich ist. Haben wir uns an einem Opfer satt gefressen, wischen wir uns das blutige Maul ab und suchen uns das Nächste. Dafür leben wir und dafür werden wir gewählt. Das ist lustig. Wir stellen uns vor eine Herde Gazellen und sagen denen, wenn sie uns zum König der Tiere wählen, dann sorgen wir dafür dass sie ein gutes Leben führen können. Haben sie uns dann in ihrer leichtgläubigen und obrigkeitshörigen Art zum König gemacht, dann fressen wir sie auf. Und ihre Kinder gleich mit. Respekt vor denen, die bei diesen Raubtierkämpfen nicht mehr mitmachen wollen.

Duemmstes-Parlament-der-Welt

21.12.2011, 15:59 Uhr

Es ist das zweifelhafte Verdienst von Radicova und des karriereverliebten Sozialdemokraten Fico, dass die Bevölkerung der armen Slowakei fortan für das reiche Italien spart. Nur zur Erinnerung: Laut einer aktuellen Vermögensstudie des Allianzkonzerns übersteigt das durchschnittliche Pro-Kopf-Vermögen in Italien das der deutschen Bevölkerung.Die wirtschaftliche Untergang der öffentliche Haushalte Italiens basiert auf einer Kultur des Betruges in diesem Land. Nun spart dank des Rettungsschirmes die arme Slowakei für den Komfort von Italiens Flittchen. Oder haben Sie schon die Bilder vergessen,wer dort alles mit Regierungsmaschinen chauffiert wurde und wird ?
Radicova opferte die Slowakei für einen Umverteilungsschwindel

Duemmstes-Parlament-der-Welt

21.12.2011, 16:00 Uhr

Es ist das zweifelhafte Verdienst von Radicova und des karriereverliebten Sozialdemokraten Fico, dass die Bevölkerung der armen Slowakei fortan für das reiche Italien spart. Nur zur Erinnerung: Laut einer aktuellen Vermögensstudie des Allianzkonzerns übersteigt das durchschnittliche Pro-Kopf-Vermögen in Italien das der deutschen Bevölkerung.Die wirtschaftliche Untergang der öffentliche Haushalte Italiens basiert auf einer Kultur des Betruges in diesem Land. Nun spart dank des Rettungsschirmes die arme Slowakei für den Komfort von Italiens Flittchen. Oder haben Sie schon die Bilder vergessen,wer dort alles mit Regierungsmaschinen chauffiert wurde und wird ?
Radicova opferte die Slowakei für einen Umverteilungsschwindel

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