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23.12.2011

15:51 Uhr

Gesichter der Krise

Die tragische Figur der Österreichischen Volksbanken

VonStefan Menzel

Gerald Wenzel hat sich seine Zeit an der Spitze der ÖVAG wohl anders vorgestellt. Gerade bleibt ihm nichts anderes, als das Institut zu „redimensionieren“. Es dürfte seine letzte Chance sein.

Gerald Wenzel, Chef der Österreichischen Volksbanken AG (ÖVAG). PR

Gerald Wenzel, Chef der Österreichischen Volksbanken AG (ÖVAG).

WienEs sind keine glücklichen Tage für Gerald Wenzel, den Chef der Österreichischen Volksbanken AG (ÖVAG). Das Zentralinstitut der Genossenschaften war immerhin einmal die viertgrößte Bank des Landes, bei fast 80 Milliarden Euro lag die Bilanzsumme. Inzwischen hat die ÖVAG kräftig abspecken müssen und wird bald nur noch über der Grenze von 40 Milliarden Euro liegen. Und alles ist untrennbar mit der Person Gerald Wenzel verbunden.

Seit bald drei Jahren steht der 61-Jährige an der Spitze der ÖVAG. Dass er zum Abwickler, zum Verkleinerer werden würde, das hat er sich bei seinem Amtsantritt eigentlich nicht gedacht. Damals hatte die ÖVAG eine Milliarde Euro vom österreichischen Staat als Unterstützung bekommen, danach sollte es mit der Genossenschaftsbank eigentlich wieder aufwärts gehen.

Aber daraus ist nichts geworden. Es ging vielmehr bald wieder bergab mit der ÖVAG, ihre chronische Eigenkapitalschwäche wurde und wird ihr weiterhin zum Verhängnis. Das ist gerade noch einmal während der vergangenen Wochen ziemlich klar geworden, weil sich die Krise an den Finanzmärkten wieder verschärft hat. Schwache Institute geraten dann schnell in Existenznot.

Gerald Wenzels Zeit an der Spitze der ÖVAG ist vor allem mit seinen fehlgeschlagenen Versprechen verbunden. Zu Jahresbeginn hatte er noch recht vollmundig verkündet, dass er die erste Tranche der Staatshilfen wieder zurückzahlen wollte. 300 Millionen Euro hatte er im Frühjahr den österreichischen Steuerzahlern versprochen. Doch daraus wurde nichts, die Regierung in Wien wird nichts von dem Geld sehen.

Im Verlauf des Jahres wurde alles noch viel schlimmer. Auch aus dem versprochenen ÖVAG-Gewinn ist nichts geworden, jetzt droht 2011 ein Verlust von einer Milliarde Euro. Die oberste Volksbank in Österreich ist so knapp bei Kasse, dass sie nicht einmal die Zinsen auf die vor drei Jahren empfangenen Staatshilfen bezahlen kann.

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