Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.12.2011

16:51 Uhr

Gesichter der Krise

Lettland - Nähen gegen die Krise

VonHelmut Steuer

Rosa Shukova ist Chefin eines lettischen Unternehmens, das in Riga Strumpfhosen herstellt. Dort war vor 2008 der Ausdruck „Krise“ noch ein Fremdwort. Heute ist Shukova froh, dass die harten Zeiten überwunden sind.

Rosa Shukova in ihrem lettischen Unternehmen. (Bild: Helmut Steuer)

Rosa Shukova in ihrem lettischen Unternehmen. (Bild: Helmut Steuer)

RigaMit routinierten Handgriffen prüft Rosa Shukova eine rosafarbene Kinderstrumpfhose. Schnell mit den Fingern an den Nähten entlang, ein prüfender Blick auf das kleine Etikett und zurück auf den Tisch, wo bereits einige Duzend Baumwollstrumpfhosen liegen. Die Packerinnen stehen bereit, um weitere Kartons mit den Strumpfhosen des lettischen Unternehmens Weri Spezials zu füllen.

Unternehmenschefin Rosa Shugova kann ihren Stolz nicht verbergen, als sie durch die Fabrikhallen am Rande der lettischen Hauptstadt Riga führt. Überall rattern vollautomatisch die grünen und weißen Nähmaschinen; die Garnrollen in sämtlichen Rosa-Schattierungen drehen sich fast wie im Takt zu dem monotonen Geräusch der aus der ehemaligen DDR stammenden Nähautomaten.

15 Arbeitsgänge sind notwendig, bis eine Strumpfhose fertig ist. „Das ist sehr viel komplizierter als die meisten glauben“. 190 000 Strumpfhosen stellt Rosa Shukova in einem normalen Monat her. Läuft es besser, sind es auch schon einmal 250 000.

Handelsblatt-Serie: Vorhang auf für die „Gesichter der Krise“

Handelsblatt-Serie

Vorhang auf für die „Gesichter der Krise“

Eine Euro(pa)-Reise der besonderen Art haben die Korrespondenten des Handelsblatt im Jahresrückblick unternommen: Quer durch die Krisenzone suchten sie Einzelschicksale, Geschichten von Menschen auf der Straße.

„Unsere Hauptkunden haben wir in Deutschland, Dänemark, der Schweiz und Russland“, sagt die Mittvierzigerin. Während Weri Spezials in diesen Ländern vor allem an große Kaufhausketten liefert, versucht die gebürtige Russin in Lettland, sich mit einer eigenen Marke zu etablieren.

Derzeit ist sie dabei, eine eigene Vertretung für den russischen Markt aufzubauen. Dort will sie ebenfalls mit einer eigenen Kollektion punkten. 107 Mitarbeiter beschäftigt die agile Unternehmerin heute. Vor der ersten Finanzkrise 2008 waren es einige mehr. „Damals hatten wir hier rund 120 Mitarbeiter“, erzählt Shukova.

Damals, vor Ausbruch der globalen Finanzkrise, boomte das kleine baltische Land an der Ostsee. Wachstumsraten im zweistelligen Bereich machten Lettland und seine Nachbarn Estland und Litauen zu den Tigerstaaten der EU. 20 Jahre nach ihrer Unabhängigkeit von der Sowjetunion zeigten alle Kurven nach oben. Krise war ein Fremdwort im Baltikum.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Euro

24.12.2011, 00:02 Uhr

Ja die Letten sind eben realistischer als die Griechen und wollen auch Arbeiten und nicht jede Woche streiken.

Komentator

06.01.2012, 00:01 Uhr

Europa müsste sich eine Scheibe von Lettland abschneiden. Go Go Lettland

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×