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11.07.2000

21:04 Uhr

Gespräch mit Verleger Hubert Burda über den Börsengang von Focus Digital

Burda hat noch viele Pläne im Internet

VonJOACHIM HOFER und MAIKE TELGHEDER

Focus Digital geht als erstes Unternehmen der Burda Mediengruppe an die Börse. Für Verleger Hubert Burda ist die Emission ein notwendiger Schritt, weil die neue Ökonomie nach anderen Regeln funktioniere als die so genannte Old Economy: Die Mitarbeiter wollen ihre eigene Firma führen.

MÜNCHEN. Bislang konnte Hubert Burda Aktienkurse rein aus der Sicht des Anlegers betrachten. Am Donnerstag kommt für den Verleger eine neue Perspektive hinzu: Als Mehrheitseigner hat es Burda maßgeblich in der Hand, wie sich die Aktien der Focus Digital AG entwickeln.



Der Börsengang ist für Burda die Konsequenz aus den Regeln der Internet-Wirtschaft, der New Economy. So vehement, wie der 60-Jährige eine Notierung von traditionellen Verlagshäusern ablehnt, so stark setzt er sich für das Listing von Internet-Firmen ein. "So ein Unternehmen muss eine Firma der Mitarbeiter sein", betont Burda, "sie wollen ihre eigene Firma führen."



Seit zwei Jahren, erzählt der Verleger von Zeitschriften wie "Bunte", "Freundin" und "Focus", habe er über den Börsengang nachgedacht. Jetzt sei die Zeit reif für die Online-Tochter von Burda. In die völlige unternehmerische Freiheit wird Focus Digital freilich nicht entlassen. "Die können uns als Verlagshaus gut gebrauchen", ist Burda überzeugt. "Wir verlieren nicht so schnell den Kopf", sagt er und sieht sich selbst als Coach einer Mannschaft: "Die spielen ihr eigenes Spiel, wir geben die Richtung vor."



Focus Digital ist seiner Auffassung nach nicht das einzige Unternehmen der Hubert Burda Media, das eine Zukunft an der Börse hat. Obwohl er nicht über konkrete Pläne redet, gibt es im Portfolio zahlreiche Kandidaten. Große Hoffnungen setzt Burda beispielsweise in Cyberlab, ein Unternehmen, das am sprechenden Internet arbeitet, dem so genannten Talking Web. "Wir entwickeln Sachen, die sonst nicht bei Burda entstehen würden", umschreibt Cyberlab-Chef Jean-Paul Schmetz den innovativen Charakter des Unternehmens.



In der Tochter Hubert Burda der Schmetz ebenfalls vorsteht, entwickelt ein Team von rund 60 Leuten Ideen für die Zukunft im Internet, geht strategischen Investments in der New Economy nach und bringt innovative Produkte auf den Markt. Bald soll eine neue Art des Musikvertriebs vorgestellt werden. Auch an Online-Spielen arbeite die Burda-Kreativabteilung. Neben Cyberlab und Burda hält Burda in seiner Risikokapital-Tochter auch Beteiligungen an - zukünftig - börsenfähigen Unternehmen.



Burda verschweigt nicht, dass die Emission von Focus Digital eine ganz praktische Seite habe: So lasse sich eine Währung für Kooperationen, Fusionen und Übernahmen schaffen. Vom Internet verspricht sich der Verleger freilich noch viel mehr. Internet-Seiten seien ein exzellentes Marktforschungsinstrument.



Auch im alten Kerngeschäft des Offenburger Verlags, bei Burda Moden, gebe es dadurch neue Perspektiven. Direkt auf den Web-Seiten ließen sich zukünftig Kleider und Stoffe bestellen. Burda ist zuversichtlich, dass bald ein zuverlässiges Mittel gefunden werde, um die Maße der Internet-Nutzer zu finden.



Ob Burda das nötige Maß beim Börsengang von Focus Digital gefunden hat, wird sich morgen früh zeigen, wenn der erste Kurs am Frankfurter Neuen Markt fest gestellt wird. Der Verleger ist zuversichtlich: "Wir haben ein Produkt entwickelt, von dem die Investoren etwas haben." Focus Online, Teil der neuen AG, jedenfalls hat seine Position als führendes General-Interest-Angebot im Internet gerade wieder ausgebaut: Mit einem Plus von knapp 14 % auf 55 Millionen Besuche im Monat Juni.



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