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25.06.2000

13:45 Uhr

Gespräche mit Springer-Verlag in der Schlussphase

Kirch will angeblich SAT.1-Anteil verkaufen

Der Hamburger Axel-Springer-Verlag will nach Medieninformationen seinen Anteil von 41 % am Privatsender SAT.1 an die Kirch-Gruppe verkaufen.

Reuters MÜNCHEN/HAMBURG. Der Hamburger Axel-Springer-Verlag will nach Medieninformationen seinen Anteil von 41 % am Fernseh-Privatsender SAT.1 an die Kirch-Gruppe verkaufen.

Nach einem am Samstag vorab verbreiteten Bericht des Magazins "Focus" will sich am kommenden Dienstag der Springer-Aufsichtsrat mit dem Verkauf befassen. Damit könnte die Entscheidung auf der Hauptversammlung von Springer am Mittwoch bekannt gegeben werden. Einer Vorabmeldung des "Spiegel" zufolge hat sich der Springer-Vorstand bereits auf eine Option für den Verkauf des SAT.1-Anteils geeinigt. Der "Spiegel" bezifferte sie auf 1,8 Mrd. DM.

Ein Kirch-Sprecher sagte, die Gespräche mit Springer über die Zukunft des Fernsehsenders befänden sich in der Schlussphase. Einen Beschluss gebe es bei Kirch aber noch nicht. Die Sprecherin des Springer-Verlages Edda Fels hatte bereits am Donnerstag zwar den Verkauf der Anteile des Verlages an dem Fernsehsender dementiert. Sie sagte jedoch, Gespräche über die neue "Senderfamilie" seien in der Schlussphase. Es sei noch offen, ob Springer mit seinem SAT.1-Anteil einsteige oder diesen verkaufe.

Bildung der Senderfamilie

Die Verhandlungen stehen im Zusammenhang mit der geplanten Bildung einer "Senderfamilie" unter dem Dach von Kirch, zu der neben SAT.1 die in der ProSieben Media AG vereinigten Sender ProSieben, Kabel 1 und N24 gehören sollen. Dem Münchener Medienkonzern gehören bereits die restlichen 59 % an SAT.1 sowie ebenfalls 59 % der Stammaktien an ProSieben. Kirch ist daneben mit 40,08 % an Springer beteiligt. Über die Senderfamilie, die ProSieben-Chef Urs Rohner favorisiert, wird bereits seit Monaten verhandelt. Nach Informationen aus Firmenkreisen strebt Kirch eine Entscheidung bis Ende Juli an.

Springer will sich "Focus" zufolge von SAT.1 trennen, weil das Verlagshaus in dem neuen Fernsehkonzern nur Juniorpartner wäre. Der Verkaufserlös werde in die Bereiche Multimedia und Internet investiert. Spekulationen über eine Trennung Springers von SAT.1 waren bereits nach der Bilanzpressekonferenz des Verlages in Berlin im Mai aufgekommen. Dort hatte der Springer-Vorstandsvorsitzende August Fischer gesagt, eine Senderfamilie sei sinnvoll. Über einen weiteren Mitbetrieb von SAT.1 machte er aber keine konkreten Aussagen. SAT.1 ging 1984 als erster Privatsender in Deutschland auf Sendung.

Verkauf wohl erst 2001

Nach übereinstimmenden Informationen beider Magazine soll der Verkauf der SAT.1-Anteile erst im kommenden Jahr wirksam werden. Dann will die Bundesregierung Beteiligungsverkäufe weitgehend steuerfrei stellen. Der größte Teil des Betrags wird dem "Spiegel" zufolge in bar bezahlt, dazu solle Springer möglicherweise einen kleineren Anteil an einer neuen Free-TV-Holding von Kirch erhalten, in die die Sender eingebracht werden sollen. Wie der "Spiegel" weiter berichtete, sei die Grundlage für die Bewertung ein Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Arthur Andersen, die SAT.1 auf rund drei Mrd. DM taxiert. Dazu kämen strategische Aufschläge.

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