Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.06.2000

13:54 Uhr

dpa SEOUL. Südkoreas Präsident Kim Dae Jung wird am Pfingstmontag als erster Staatschef seines Landes zu einem Gipfeltreffen mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Il nach Pjöngjang reisen. Während des dreitägigen Gipfels in der nordkoreanischen Hauptstadt wollen beide Seiten über Frieden, nationale Einheit und Zusammenarbeit zwischen den seit 55 Jahren verfeindeten Nachbarstaaten sprechen.

Präsident Kim will insbesondere über Entspannungsmaßnahmen, die Einleitung eines dauerhaften Dialogs, wirtschaftliche Kooperation und die Zusammenführung getrennt lebender Familien verhandeln, die bis heute keinen Kontakt über die Grenze hinweg aufnehmen können. Nach Angaben des Präsidialamts in Seoul vom Freitag wird Kim mit seinem nordkoreanischen Gegenüber zu mindestens zwei Gesprächen am Montag und Dienstag zusammenkommen.

Es ist das erste Treffen zwischen den Staatschefs beider Koreas seit der Teilung der ostasiatischen Halbinsel 1945 in einen kommunistischen Norden und einen westlich orientierten Süden. Seoul hofft darauf, dass der "historische" Gipfel zum Ende des Kalten Kriegs auf der Halbinsel und zur Aussöhnung beiträgt. Seit dem Ende des Korea-Kriegs (1950-53) befinden sich beide Staaten technisch gesehen immer noch im Kriegszustand, da ein Friedensvertrag das nach wie vor gültige Waffenstillstandsabkommen bisher nicht ersetzt hat. An der Grenze am 38. Breitengrad stehen sich auf beiden Seiten mehr als eine Million Soldaten gegenüber.

Nordkorea ist nach Ansicht von Experten insbesondere auf Wirtschaftshilfe aus dem Süden angewiesen. Neben dem wirtschaftlichen Niedergang steht das abgeschottete Land seit Jahren vor ernsten Versorgungsproblemen. Als Gegenleistung zu einer dauerhaften Aufbauhilfe forderte Seoul bislang von Nordkorea Zusagen über ein Ende militärischer Provokationen und die Aufgabe der Entwicklung von Langstreckenraketen.

Japan und die USA hoffen darüber hinaus, dass Kim auch Nordkoreas umstrittenes Atomprogramm während des Gipfeltreffens anspricht. Nach japanischen Angaben reichert Nordkorea in einer geheimen unterirdischen Anlage Uran für die Produktion von Atomwaffen an. Die Fabrik befinde sich im Berg Chonma in der Nähe der Grenze zu China. Sie arbeite seit 1989 und sei von US-Inspektoren bei der Untersuchung einer anderen Anlage in der Nähe übersehen worden.

Südkoreas Präsident wird am Montag zusammen mit einer 130 Personen umfassenden Delegation und 50 südkoreanischen Reportern nach Pjöngjang fliegen. Zur Begleitung gehören neben Finanzminister Lee Hun Jai und Vereinigungsminister Park Jae Kyu auch Vertreter aus Wirtschaft, Sport und Kultur. Für Montag ist auf Einladung Kim Jong Ils ein Abendessen für die gesamte Begleitung geplant. Die Delegation soll am Mittwoch auf dem Landweg mit Autos über die Grenze am Waffenstillstandsort Panmunjom nach Südkorea zurückkehren.

Ein für Juli 1994 vereinbartes innerkoreanisches Gipfeltreffen war wegen des plötzlichen Todes des langjährigen nordkoreanischen Diktators und Vaters von Kim Jong Il, Kim Il Sung, nicht zu Stande gekommen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×