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26.05.2000

16:55 Uhr

dpa MANILA/JOLO. Fast fünf Wochen nach Beginn des Geiseldramas auf den Südphilippinen ist für die 21 Entführten kein Ende der quälenden Gefangenschaft in Sicht. Am Freitag wurden wieder Gespräche zwischen Regierungs- Unterhändlern und den Kidnappern der militanten Moslemgruppe Abu Sayyaf verschoben. Grund waren offenbar erneut unkoordinierte Bewegungen der philippinischen Armee. Derweil wurde für Samstag ein neuer Termin für Verhandlungen anberaumt. Die Geiseln wurden abermals an einen anderen Ort verlegt.

"Die Abu Sayyaf-Gruppe ist in mehrere Teile zersplittert. Es hat eine Zeit gebraucht, bis wir wieder zu ihnen Kontakt hatten", sagte Chefunterhändler Roberto Aventajado am Freitag. "Sie wollen alle noch mit uns verhandeln", betonte er. Spätestens an diesem Samstag werde mit den Gesprächen begonnen: "Morgen ist der entscheidende Tag."

Weil das philippinische Militär dem Verhandlungsort in einer Grundschule offenbar zu nahe kam, wurden die Geiseln am späten Donnerstag von einem Versteck nahe der Ortschaft Patikul in das abgelegene Dorf Dataglimbon gebracht, etwa drei Kilometer von dem vereinbarten Ort der Gespräche in einer Schule entfernt. Zuvor waren rund 200 Polizisten nach Patikul verlegt worden.

"Der Schritt des Militärs war ein Fehler", sagte der Unterhändler und frühere libysche Botschafter auf den Philippinen, Rajab Azzarouk. "Aber ich ich bin zuversichtlich, dass sich die Dinge beruhigen und wir über eine Freilassung der Geiseln reden werden". Er hatte sich am Vorabend mit den Kidnappern zu einem informellen Gespräch getroffen.

Obwohl Entführungen durch die Abu Sayyaf-Gruppe erfahrungsgemäß mindestens drei Monate dauern, streben die Vermittler nach wie vor eine baldige Freilassung der Geiseln an. "Wir arbeiten sehr ernsthaft an dieser Sache und wollen die Entführten in weniger als drei Monaten freibekommen", betonte Aventajado am Freitag.

Azzarouk handelt im Auftrag einer Stiftung des Sohnes des libyschen Revolutionsführers Muammar el Gaddafi. Dieser signalisierte Bereitschaft, Entwicklungsprojekte auf Jolo zu finanzieren. "Die Rebellen haben unser Angebot begrüßt und hoffen, dass diese Projekte in der ganzen (südlichen) Provinz Sulu greifen werden", sagte der Diplomat. Beobachter vermuten allerdings, dass über diesen Weg Lösegeld an die Entführer fließen könnte.

Bislang sind nur politische Forderungen der Geiselnehmer bekannt geworden. So verlangen sie einen eigenen islamischen Staat im Süden der Philippinen und eine Untersuchung angeblicher Gräueltaten an Moslems in der malaysischen Provinz Sabah. "Bis zu einem bestimmten Grad können wir die zweite Forderung diskutieren", sagte Aventajado.

Neben drei Mitgliedern der Göttinger Familie Wallert waren vor fast fünf Wochen auch Franzosen, Finnen, Südafrikaner, Filipinos, eine Libanesin und Malaysier von der malaysischen Taucherinsel Sipadan auf die südphilippinische Insel Jolo verschleppt worden.

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