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18.06.2000

19:00 Uhr

Gespräche zwischen Commerzbank und Dresdner Bank

Dresdner und Commerzbank würden gut zueinander passen

VonGeorg Jakobs

Wer nach dem Scheitern der Fusion von Deutscher und Dresdner Bank gedacht hatte, dieser Schock würde die Neuordnung der deutschen Bankenlandschaft spürbar verzögern, der hat sich gründlich getäuscht. Die Banker haben die seit dem Debakel vergangenen zweieinhalb Monate bereits zu intensiven Sondierungen genutzt. Und die Chancen stehen gut, dass im Laufe des Jahres die fällige Konsolidierung der Branche doch noch vorankommt.

Noch ist schwer vorauszusagen, wie sich die Puzzle-Teile, die auf dem Tisch liegen, zu einem Gesamtbild fügen werden. Klar ist, dass die Deutsche Bank weiter nach einem Partner für die Deutsche Bank 24 sucht, ihren Ableger für das Mengengeschäft. Klar ist auch, dass die mächtige Allianz weiterhin nach einem zusätzlichen Bank-Vertriebskanal Ausschau hält und dabei immer noch auf die Bank 24 schielt. Zugleich will der Versicherer, Großaktionär bei Dresdner und Hypo-Vereinsbank, seine Bankbeteiligungen für die eigenen strategischen Interessen besser nutzen.

Klar ist zudem, dass sich zwei Großbanken in einer unbequemen Lage befinden: Dresdner und Commerzbank. Beide eint, dass sie zu klein sind, um dauerhaft auf europäischem Parkett eine Hauptrolle zu spielen, und zu groß, um als nationaler Nischenplayer zu überleben. Die durch das Fusionsdebakel angeschlagene Dresdner versucht seitdem, diese Einschätzung zu zerstreuen und die Gunst der Märkte zurückzuerobern. Und die Commerzbank wurde durch das Auftauchen ihres Großaktionärs Cobra jäh aus allen Träumen vom Alleingang gerissen.

Auf ihr lastet der viel größere Druck. Denn Cobra versucht, sie in die Arme eines Partners zu treiben. Bank-Chef Martin Kohlhaussen bleibt wenig mehr übrig, als selbst einen zu finden, um zu verhindern, dass Cobra den falschen wählt. Was läge da näher, als sich in der Nachbarschaft umzutun. Dresdner und Commerzbank würden gut zueinander passen - nicht nur wegen ihres ähnlichen Börsenwerts. Im ertragsschwachen Filialgeschäft könnte es beträchtliche Synergien geben. Im Investment-Banking, Stolperstein für das Projekt Deutsche-Dresdner, wären kaum Probleme zu erwarten. Denn die Commerzbank hat Dresdner Kleinwort Benson nichts Vergleichbares entgegenzusetzen. Im Direktbank-Geschäft verfügt mit Comdirect dagegen nur sie über ein Juwel.

Die Entscheidung, ob der in Gang gekommene "explorative Gedankenaustausch" zwischen beiden Häusern in Verhandlungen münden wird, kann wegen des hohen Erwartungsdrucks nicht mehr lange auf sich warten lassen. Einfach wären Fusionsgespräche aber sicher nicht. Denn rasch würde sich die Führungsfrage stellen. Schon jetzt deutet sich an, dass die um das Vertrauen der Märkte ringende Dresdner sich kaum von ihrer eigenen neuen Strategie abbringen lassen wird.

Die Führungsfrage ist aber nicht der einzige mögliche Fallstrick. Soll Cobra nicht dazwischenfunken, müsste der Großaktionär in das Konzept einbezogen werden. Ebenso wie die Allianz, ohne deren Plazet ein solches Bündnis kaum vorstellbar wäre. Immerhin ist die Commerzbank mit der Allianz-Konkurrentin Generali verbandelt. All das würde einiges an Phantasie, aber vor allem eine gründliche Vorbereitung und damit viel Zeit verlangen. Fazit: Eine Fusion wäre komplex, aber nicht unmöglich und vielleicht sogar vernünftig. Einen Schnellschuss aber wird nach der Blamage vom Frühjahr kein deutscher Banker mehr riskieren.



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