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26.06.2000

14:06 Uhr

Gesundheit

Pharmafirmen: Kassenpatienten bekommen oft Arzneien zweiter Klasse

Der Verband Forschender Arzneimittelhersteller nimmt die Ärzte in Schutz. Das Budget zwinge sie dazu, bei Medikamenten zu sparen, weil sie für Überschreitungen mit ihren Honoraren haften.

dpa BERLIN. Kassenpatienten werden Ansicht der Pharmaindustrie aus Kostengründen zunehmend moderne Arzneien vorenthalten. Bei vielen Volkskrankheiten wie Alzheimer, Herz-Kreislauf-Leiden und Diabetes gebe es eine alarmierende Unterversorgung. Als Grund nannte der Verband Forschender Arzneimittelhersteller (VFA) am Montag in Berlin die gesetzliche Ausgabenbegrenzung bei Arzneien. Der VFA nahm die Ärzte vor Kritik in Schutz. Das Budget zwinge sie dazu, bei Arzneien zu sparen, weil sie für Budgetüberschreitungen mit ihren Honoraren haften.

"Wir sind längst bei einer Zwei-Klassen-Medizin", erklärte der VFA. Der Verband listete in einer Dokumentation mehrere bereits veröffentlichte Studien zur Unterversorgung bei bestimmten Krankheiten auf. Danach werden Kassenpatienten bei mindestens 13 Leiden nicht nach modernen Therapiestandards behandelt. Dazu gehören unter anderem Alzheimer, Herz-Kreislauf-Leiden, Krebs, Diabetes, Asthma, Bronchitis, Hepatitis C, Depressionen, Schmerz und Knochenschwund. Dagegen würden Privatpatienten deutlich besser versorgt. Bei den Privatkassen gibt es kein Arzneibudget.

So erhielten bei Alzheimer 88 % der Patienten in einem leichten bis mittelschweren Erkrankungsstadium keine innovativen Medikamente, die das Fortschreiten der Erkrankung verzögern können. Privatpatienten erhielten diese Präparate dagegen deutlich öfter. Auch bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schmerzleiden gebe es alarmierende Defizite. Von rund 550 000 Patienten, die stark wirkende Opiate brauchten, erhielten nur 3,6 % die erforderliche Behandlung.

Der VFA forderte abermals, das Arzneibudget abzuschaffen oder zumindest zu lockern. Mit Blick auf die laufenden Verhandlungen zwischen Krankenkassen und Ärzten verlangte der VFA, die Budgets allein auf Grund innovativer Medikamente um mindestens vier Prozent aufzustocken.

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