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15.01.2007

18:28 Uhr

Gesundheits-Checks für Manager

Auf Herz und Nieren geprüft

VonJuliane Lutz

Gesunde und leistungsbereite Manager sind das wichtigste Kapital einer Firma. Doch nicht jeder steckt Überstunden, Stress und unausgewogene Ernährung so einfach weg. Um Krankheiten vorzubeugen, schicken Unternehmen ihre Spitzenkräfte zunehmend zum Gesundheits-TÜV – und retten damit oft Leben.

Immer auf Achse, immer erreichbar: Der Alltag eines Managers ist oft sehr stressig sein. Foto: dpa

Immer auf Achse, immer erreichbar: Der Alltag eines Managers ist oft sehr stressig sein. Foto: dpa

Der Manager fühlte sich ziemlich fit. Umso geschockter war er, als er die Diagnose erfuhr: Nierenkarzinom – zufällig entdeckt durch eine Untersuchung im Magnetresonanztomografen. Die sportlich wirkende Führungskraft gehört zu den rund 70 Prozent der leitenden Angestellten eines großen Energieunternehmens, die das Angebot eines Gratis-Check-ups in Anspruch nehmen. Sein Glück: Der Krebs befand sich im Frühstadium. „Man kann ihn heute als geheilt betrachten, aber andere kommen zu spät, denn meist macht sich diese Art von Krebs durch keinerlei Beschwerden bemerkbar“, weiß Professor Dietrich Baumgart. Der Internist und Kardiologe leitet die Essener Klinik Preventicum, von der Firmen wie Douglas, Steag, 3 M oder Eon Ruhrgas ihre Führungskader gesundheitlich durchleuchten lassen.

„Immer wieder liest man, dass ein 49-jähriger Top-Manager auf dem Tennisplatz tot umfällt. Das ist der Supergau für ein Unternehmen“, warnt Kristian Rett, ärztlicher Direktor der Deutschen Klinik für Diagnostik in Wiesbaden, in der sich jährlich 4 000 Führungskräfte auf Herz und Nieren untersuchen lassen. Deshalb investieren immer mehr Unternehmen ins Wohlsein ihrer geistigen Hochleistungssportler. Mittlerweile bieten fast alle Dax-Unternehmen Managern kostenlose Vorsorgeuntersuchungen an.

Doch längst nicht alle nutzen sie auch. „Etwa 30 bis 40 Prozent unserer Führungskräfte nutzen die Möglichkeit des Gratis-Check-ups“, berichtet Natalie Lotzmann, Leiterin Health & Diversity bei SAP. Ähnliches bietet Eon Ruhrgas an: „Senior Manager ab 40 können jährlich zum Ganzkörper-Check gehen, und alle zwei Jahre steht ihnen eine Untersuchung im Magnetresonanztomografen zu“, so Helmut Roloff. Dass durch etwaige entdeckte gesundheitliche Malaisen die Karriere gebremst wird, braucht angeblich keine Führungskraft zu befürchten. „Die Ergebnisse fallen unter die ärztliche Schweigepflicht“, versichern die Firmen.

Studie: 40 Prozent der Manager sind übergwichtig

Oft genug schlägt die Diagnose Alarm. Denn längst nicht allen Managern gelingt es, in eine 60- bis 80-Stunden-Woche ein regelmäßiges Lauftraining einzubauen und sich zwischen hektischen Konferenzen und Überseeflügen auch noch ausgewogen zu ernähren. Untersuchungen von 1 000 Führungskräften bei Preventicum ergaben: 40 Prozent der Manager sind übergewichtig, 35 Prozent leiden an Bluthochdruck. „Und 25 Prozent müssen gar mit einem erhöhten Risiko rechnen, in zehn Jahren einen Herzinfarkt oder Gehirnschlag zu bekommen“, warnt Mediziner Baumgart.

Allerdings kann eine Vorsorgeuntersuchung nur der Anfang sein. Es reicht nicht, gesagt zu bekommen, dass die Blutfettwerte zu hoch sind. „Viele denken: Jetzt leb' ich aus dem Vollen und später wird’s der Arzt schon richten. Doch das Motto geht selten auf“, meint Baumgart. Wer seine Gesundheit erhalten möchte, sollte bereit sein, eine gewisse Eigenverantwortung zu übernehmen und den Lebensstil zu ändern.

Gut, wenn der Arbeitgeber dabei hilft. „Wir bieten Anleitung zur Selbsthilfe“, erzählt Joachim Bischof, Leiter des Gesundheitsmanagements bei BMW. Das reicht von Ernährungs- und Bewegungskursen bis zu firmeneigenen Fitness-Studios – zeitsparend vor allem für viel arbeitende Manager. „Unsere Führungskräfte sollen in Sachen Gesundheit auch eine Vorbildrolle einnehmen“, so Bischof. Zum Beispiel berichtete die Firmenzeitung, als sich ein Vorstandsmitglied gegen Grippe impfen ließ, um möglichst viele Mitarbeiter ebenfalls dazu zu animieren.

SAP setzt seit 1997 intensiv auf Gesundheitsmanagement. Und das zahlt sich aus. „Wir haben einen Krankenstand von etwa zwei Prozent“, freut sich Lotzmann. „Falls der Check-up ergibt, dass Bewegungsmangel ein zentrales Problem ist, überlegen wir gemeinsam, wie sich mehr Bewegung in Joballtag und Privatleben umsetzen lässt.“ Lotzmann ist überzeugt: „Für jeden Euro, den wir in die Gesundheit unserer Manager und Mitarbeiter investieren, bekommen wir dank der verbesserten Leistungskraft mindestens 4,50 Euro zurück.“

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