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14.06.2000

13:15 Uhr

Getränkekonzern sucht nach Übernahme-Interessenten

Brau und Brunnen rutscht weiter ins Minus

Im fünften Jahr in Folge keine Dividende, Verlust gegenüber dem Vorjahr fast verdoppelt und wenig Aussicht auf Besserung - Brau und Brunnen steckt in einer schweren Krise.

dpa/vwd/rtr DORTMUND. Der angeschlagene Dortmunder Getränkekonzern Brau und Brunnen schreibt weiter rote Zahlen. Im Konzern ergab sich sich ein Fehlbetrag von 86,8 Mill. DM, in der AG von 56,2 Mill. DM, teilte das Unternehmen am Mittwoch bei der Bilanzvorlage für das Geschäftsjahr 1999 mit. Zum fünften Mal in Folge zahlt das Unternehmen seinen Aktionären keine Dividende. Das Unternehmen ist mit Übernahme-Interessenten im Gespräch.

Der Fehlbetrag ergebe sich insbesondere durch Abschreibungen vor allem bei Ost-Immobilien von 118 Mill. DM. Darüber hinaus sei das Ergebnis durch Wertberichtigungen auf Darlehen und Forderungen in Höhe von 44 Mill. DM belastet, hieß es. Der Umsatz reduzierte sich um 3,8 Prozent auf 1,48 Mrd. DM. Der Getränkeabsatz der Brau und Brunnen-Gruppe lag mit 13,75 Mill. Hektoliter 1,4 Prozent unter Vorjahresniveau.

Einziger Maßstab für den wirtschaftlichen Erfolg sei "das Bier in den Griff zu bekommen - das heißt mit Plus-Minus-Null abzuschließen", sagte der Vorstandsvorsitzende des Getränkekonzerns, Rainer Verstynen. Dabei werde man auch vor Trennungen von Standorten nicht Halt machen.
"Wir können Standorte, die nicht aus eigener Kraft ein ausgeglichenes Ergebnis schaffen, nicht halten", sagte Verstynen. Brau und Brunnen verhandele über strategische Allianzen, beispielsweise über das Lohnbrauen oder Abfüllen fremden Bieres, sagte der Firmenchef.

Schörghuber bleibt im Gespräch

Ein Zusammengehen mit der Münchner Schörghuber-Gruppe sei nicht auszuschlißen, sagte Verstynen. Die Hypo-Vereinsbank, Hauptaktionär beim Getränkekonzern, führe bereits Gespräche. Es gebe aber noch andere Interessenten für Brau und Brunnen. Er sagte, der Konzern solle nicht zerschlagen werden. Dies sei der gemeinsame Wille von Vorstand, Aufsichtsrat und Großaktionär. Dieser führe seine Gespräche "nicht hinter dem Rücken des Vorstandes".

Verstynen sagte auf Fragen von Journalisten, falls sich die Politik des Vorstandes in einer möglichen größeren Verbindung wiederfände, würde er diese nicht boykottieren. Ein Zusammengehen mit den Münchnern wäre unter anderem für die Marken Jever (Brau und Brunnen) und Paulaner Weizen (Schörghuber) eine "große Befruchtung". Vorteile sieht Verstynen auch darin, dass Schörghuber Anteile an Coca-Cola besitzt. Brau und Brunnen würde alles tun, um den Absatz der eigenen Marke Vita-Cola auszuweiten.

Vorrangige Aufgabe des Vorstandes sei es, "den Bierbereich in Ordnung zu bekommen". Standorte, die aus eigener Kraft nicht zumindest Verluste vermeiden könnten, müssten in andere Hände übergehen.

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