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22.06.2000

14:50 Uhr

Gewerkschaft dringt auf gleiche Arbeitsbedingungen

Streit um Ostlöhne bei Metall entbrannt

ap FRANKFURT/M. In der Metallindustrie ist ein Streit über die Festschreibung des niedrigeren Lohnniveaus und der längeren Arbeitszeiten im Osten entbrannt. Der Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Werner Stumpfe, erklärte am Donnerstag in Köln, die Tarifpolitik müsse ihre Rolle als Standortpolitik noch für eine Zeit weiterspielen. Nur so seien Arbeitsplätze in den neuen Ländern zu schaffen.

Die Industriegewerkschaft Metall wies die Forderung zurück. "Zehn Jahre nach der deutschen Einheit brauchen wir gleiche Arbeits- und Lebensbedingungen in ganz Deutschland", sagte IG-Metall-Sprecher Claus Eilrich in Frankfurt am Main.

Stumpfe betonte dagegen, die im Vergleich zu Westdeutschland niedrigeren Kosten für eine Arbeitsstunde seien einer der wenigen Vorteile, den Ostdeutschland "im Wettbewerb um Investitionskapital zur Schaffung neuer industrieller Arbeitsplätze" zurzeit habe. Industrielle Arbeitsplätze seien aber der Schlüssel für den erfolgreichen Aufbau Ost. Allein mit Handel, Fremdenverkehr, privaten Dienstleistungen und Öffentlicher Verwaltung werde dies nicht gelingen.

Stumpfe bezifferte die Arbeitskosten für Produktionsarbeiter in Westdeutschland auf 53,70 DM je Stunde. Die vergleichbaren Kosten für Ostdeutschland lägen bei 35,50 DM. Doch klafften die Einkommen längst nicht so weit auseinander. "Die tariflichen Jahresverdienste haben inzwischen 98,3 % Westniveau erreicht", sagte Stumpfe. Die Effektivverdienste lägen weniger als zehn Prozent auseinander. Die Einkommensdifferenz werde außerdem dadurch verringert, dass die Lebenshaltungskosten für Normalverdiener in den neuen Bundesländer fünf bis zehn Prozent geringer seien als im Westen.

Die IG Metall strebt dagegen insbesondere eine weitere Verkürzung der Arbeitszeit an. In der ostdeutschen Metall- und Elektroindustrie wird zurzeit noch 38 Stunden in der Woche gearbeitet. In Westdeutschland sind es nur 35 Stunden. Nach Angaben der Gewerkschaft wird in vielen Bereichen der ostdeutschen Metall- und Elektroindustrie bereits heute das westdeutsche Produktivitätsniveau erreicht. Das gelte nicht nur für Opel in Eisenach und für Infineon in Dresden. In allen Bereichen der ostdeutschen Metall- und Elektroindustrie stiegen Umsatz, Produktivität und Ertrag. Die Produktivität der Metall- und Elektroindustrie in den neuen Bundesländern erreiche in diesem Jahr 80 % des westdeutschen Niveaus. Die Effektiveinkommen in der Branche lägen demgegenüber nur bei etwa 70 % des westdeutschen Niveaus.



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