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02.02.2001

17:17 Uhr

Gewinn wird einbrechen, Umsatz soll um 5 % steigen

Analysten und Adidas-Chef über Gewinneinbruch einig

Zwar wird die Aktie des Sportartikelherstellers einen Gewinneinbruch erleiden, der Umsatz soll aber um 5 % statt der erwarteten 2 % steigen, so die Analysten. Die Post-Aktie könnte die Sport-Aktie aus dem Dax-Index verdrängen. Das soll den Aktienwert von Adidas allerdings nur kurzfristig belasten.

Reuters HERZOGENAURACH. Auf einen Gewinneinbruch von 20 % hatte der designierte Adidas-Chef Herbert Hainer das Unternehmen und die Anleger schon im März 2000 vorbereitet, und an seiner Prognose hat er seither nichts geändert. Und die befragten Analysten sehen vor dem "Tag der Wahrheit" am Montag keinen Grund, an der Aussage zu zweifeln. "Es könnte sogar eher etwas weniger (Rückgang) werden", sagte ein Analyst, der nicht genannt werden wollte. Für den Umsatz trauen sie dem fränkischen Sportartikelkonzern mehr zu als Hainer in Aussicht gestellt hatte: Zwischen 5,60 und 5,64 (1999: 5,354) Mrd. Euro liegen die Schätzungen eng zusammen. Das wäre ein Zuwachs von 5 statt der von Adidas erwarteten 2 %.

Die Adidas-Aktie, die lange zwischen 50 und 60 Euro gefangen schien, hat sich zuletzt zu einem Höhenflug aufgerafft, der erst in dieser Woche bei 79 Euro endete. Nur erneute Sorgen, dass das Papier dem baldigen Einzug der Post in den Dax zum Opfer fallen könnte, setzten der Aktie zuletzt zu, die am Freitag 5,2 % auf 72 Euro verlor. Beim aktuellen Kurs seien die Titel angemessen bewertet, heißt es in einer Studie der Bankgesellschaft Berlin. Analyst Uwe Weinreich hatte Adidas nach dem Kursanstieg im Herbst auf "Halten" von "Kaufen" herab gestuft.

Post-Aktie soll Adidas aus dem Index schmeißen

Ein Dax-Ausstieg werde Adidas aber nur kurzfristig belasten, wenn am Index orientierte Aktienfonds verkauften, sagte Analyst Marcus Reck von der HypoVereinsbank. "Es sieht danach aus, dass sie raus fallen. Karstadt steht etwas besser da", sagte er. Trotz des gestiegenen Kurses sei die Marktkapitalisierung zu niedrig. Der scheidende Vorstandschef Robert Louis-Dreyfus, der sein Amt am 8. März endgültig an Hainer abgeben wird, hatte die Mitgliedschaft im Dax nie für wichtig erachtet. Nur ein geringer Teil der Adidas-Aktien lägen überhaupt in Deutschland, sagte er.

Ein Rückgang des Jahresüberschusses um 20 % würde ein Ergebnis von 182 (Vorjahr: 228) Mill. Euro bedeuten. Nach neun Monaten hatte Adidas mit einem Minus von 22 % fast eine Punktlandung hingelegt, während der Umsatz dank des festen $ um sieben Prozent stieg. Reck traut dem Unternehmen mit einem Gewinn von 199 Mill. Euro nach Steuern sogar etwas mehr zu. Auch die Schätzung der BG Berlin für das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) liegt mit 409 Mill. Euro über dem Wert von 386 (1999: 482) Mill. Euro, der sich aus Hainers Erwartungen errechnen würde. Grund für das Ertragsminus ist ein 75 Mill. DM teures Effizienz- und Wachstumsprogramm.

Skeptischer Blick auf Gewinnzuwachs

Skeptisch zeigen sich die Analysten jedoch mit Blick auf den von Adidas anvisierten Gewinnzuwachs um 15 % in diesem und in den folgenden beiden Jahren. "Ich glaube nicht, dass Hainer das schafft", sagt einer von ihnen. Ausschlag gebend seien die USA: "Nordamerika macht nach wie vor Probleme. Da ist es schwer, Fuß zu fassen und gegen Nike Boden gut zu machen." Im Jahr 2000 sei es dort wohl nicht so gut gelaufen, mutmaßt Reck. Aufschluss könnten die Auftragseingänge geben, über die Adidas aber erst im März berichtet. Adidas hatte für das dritte Quartal von einem Umsatzzuwachs in den USA um drei Prozent berichtet, nachdem das Volumen im ersten Halbjahr noch um 2 % zurückgegangen war. Doch das Unternehmen macht dort nach wie vor Verluste.

Mit der Vorstellung des neuen Marketingkonzeptes in New York hatte Hainer dort im Herbst Zeichen gesetzt. Ein Niederschlag in Umsatz und Gewinn ist angesichts der langen Zyklen in der Schuh- und Bekleidungsindustrie jedoch frühestens in diesem Herbst zu erwarten. Bereits im zweiten Halbjahr erwartet Hainer dort die Gewinnwende.

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