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09.01.2003

12:00 Uhr

Gewinnerwartungen erfüllt

SAP trotzt der Konjunkturflaute

Europas größter Softwarekonzern SAP hat 2002 angesichts robuster Lizenzerlöse den Umsatz gesteigert und sein ehrgeiziges Renditeziel nach eigenen Angaben mindestens erreicht. Der Gesamtumsatz habe leicht über den 2001 erzielten 7,34 Mrd. ? gelegen, teilte die SAP AG am Donnerstag in Walldorf nach einer ersten Analyse der Geschäftszahlen mit.

rtr/dpa WALLDORF. Die als Erfolgsmaßstab verwendete - um die Kosten für aktienbezogene Vergütungsprogramme und für Akquisitionen bereinigte - operative Umsatzrendite habe mit mindestens 21 (Vorjahr: 20) Prozent die Zielmarke auf jeden Fall getroffen. Analysten hatten lange Zeit bezweifelt, dass SAP dies auch bei nahezu stagnierenden Umsätzen erreichen könnte. Im Herbst hatte SAP das ursprüngliche Ziel, den Konzernumsatz um mindestens fünf Prozent zu steigern, angesichts der weltweiten Konjunkturflaute aufgegeben.

Die vollständigen Geschäftszahlen will SAP am 30. Januar auf der Bilanzpressekonferenz in Frankfurt nennen. Angesichts eher gesunkener Akquisitionsaufwendungen dürfte der operative Gewinn 2002 höher ausgefallen sein als ein Jahr zuvor, in dem SAP ein Betriebsergebnis von 1,31 Mrd. ? ausgewiesen hatte. In Frankfurt würden sich die Vorstandssprecher Henning Kagermann und Hasso Plattner auch zu den Aussichten für 2003 äußern, sagte ein Sprecher.

"Das ist eine respektable Leistung, ich bin überrascht", meinte Analyst Helmut Bartsch von der Baden Bank. -Württembergischen SAP habe Wettbewerbern weitere Markanteile abtrotzen können. Es sei allerdings zu befürchten, dass einige Kunden Software-Käufe auf Grund günstiger Konditionen vorgezogen hätten. Das erste Halbjahr 2003 könne daher auch für SAP schwieriger werden. Selbst Großunternehmen würden ihre Investitionspläne überdenken. Er erwarte daher 2003 keine großen Sprünge beim Umsatz, sagte Bartsch. "Es gibt aber noch Raum für Verbesserungen auf der Kostenseite. Dort ist das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht."

SAP stützt seine Umsatzschätzung auf die Lizenzerlöse für installierte Software, die als Indikator für die Nachfrage der Kunden gilt. Die Softwarelizenzen brachten allein im vierten, dem gewöhnlich stärksten Quartal 950 Mill. ? ein. Das waren zwar acht Prozent weniger als ein Jahr zuvor, aber mehr als von Reuters befragte Analysten erwartet hatten. Deren höchste Schätzung lag bei 925 Mill. ?, der Durchschnitt bei 826 Mill. ?. Damit summieren sich die Lizenzerlöse im ganzen Jahr 2002 auf rund 2,28 (2001: 2,58) Mrd. ?, ein Minus von zwölf Prozent.

Um die Renditeziele dennoch zu erreichen, hatte SAP bereits im Juli ein Kostensparprogramm aufgelegt, zu dem neben Kürzungen von Reisekosten auch ein Mitarbeiter-Einstellungsstopp gehörte. Frei werdende Stellen werden seither nicht wieder besetzt. Damit sollten 600 der zuletzt fast 29 000 Arbeitsplätze wegfallen. In den USA hatte SAP unter dem neuen Landeschef Bill McDermott vor kurzem 174 Kündigungen ausgesprochen, 132 Stellen wurden damit gestrichen.

Der Umsatz von SAP verschiebt sich seit einiger Zeit weg von Softwareerlösen zu Einnahmen aus Wartung und Beratung. Das liegt Analysten zufolge am unterschiedlichen Produktzyklus der neuen Standardsoftware mySAP.com im Vergleich zum Vorgänger R/3. "Die Wartungserlöse scheinen der große hauptsächliche Treiber bei mySAP.com zu sein", erklärte J.P.-Morgan-Analyst David Reynolds in einer Studie. "Das könnte das Wachstum von mySAP bremsen." Er stufte die SAP-Aktie am Mittwoch dennoch auf "Übergewichten" von "Neutral" nach oben. Denn zugleich werden die Serviceleistungen lukrativer: In den ersten neun Monaten 2002 war die Bruttomarge in diesem Bereich nach SAP-Angaben auf 27 (Vorjahr: 20) Prozent geklettert.

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