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21.01.2001

19:00 Uhr

Gewinnmitnahmen lassen Nikkei-Index wieder unter die Marke von 14 000 Punkten fallen

Bank von Japan signalisiert Bereitschaft zu Kurskorrektur

Trotz der Anzeichen für eine erneute Lockerung der Geldpolitik und der geplanten staatlichen Stützung des Aktienmarktes wird in der neuen Woche an Tokios Börse nur mit engen Bewegungen auf dem jetzigen Niveau gerechnet. Bereits am Freitag fiel der Nikkei-225-Index unter die Marke von 14 000 Zählern.

ga TOKIO. In der gesamten Woche sah es an der Tokioter Aktienbörse recht gut aus, doch dann ließen Gewinnmitnahmen den Nikkei-225- Index kurz vor Ende des Handels am Freitag noch knapp unter die Marke von 14 000 Punkten fallen. Dennoch kam es insgesamt in allen Segmenten des Tokioter Aktienmarkts zu einer markanten Kurserholung. So legte der Nikkei 225-Index im Wochenverlauf fast fünf Prozent zu. An den Nebenmärkten kam es sogar zu einem noch ausgeprägteren Kursanstieg.

Maßgeblich hierfür waren die Stabilisierung an den US-Aktienmärkten, die für die Exportwirtschaft günstige Yen-Schwäche und die Ankündigung der Toyota Motor Corp., erneut Aktien vom Markt für eine Kapitalherabsetzung zurückzukaufen. Außerdem ist in der regierenden Liberaldemokratischen Partei die Debatte über kurz-, mittel- und langfristig angelegte Maßnahmen zur Aktienmarkt-Stabilisierung angelaufen. Einer der am wenigsten umstrittenen Beratungspunkte des Sonderausschusses der Regierungspartei für den Aktienmarkt ist es, den gesetzlichen Rahmen für Rückkaufoperationen zu erweitern und so auch die Haltung eigener Aktien (Thesaurierung) zu ermöglichen.

Die Meinungen dazu, welche konkreten Effekte für das Aktienmarktgeschehen kurzfristig von dieser Partei-Initiative zu erwarten sind, gehen aber auseinander. Die hektische Debatte und die irrige Ansicht, das Aktienmarktgeschehen müsse vom Staat wieder in Einklang mit der tatsächlichen Wirtschaftsentwicklung gebracht werden, ist so vor allem als Indiz dafür anzusehen, dass bei Politikern und führenden Wirtschaftsvertretern Krisenstimmung herrscht. Grund sind die labile Konjunkturlage und die kritische Situation im Finanzsystem. An den internationalen Finanzmärkten schlug sich diese skeptische Lageeinschätzung bereits darin nieder, dass die speziellen Risiko-Prämie für japanischen Banken wieder auflebten.

Auch in der Bank von Japan haben sich jetzt offensichtlich die Skeptiker durchgesetzt: Das Ergebnis der Beratungen des Geldpolitischen Ausschusses der Notenbank am vergangenen Freitag blieb jedoch für das Aktienmarktgeschehen noch ohne Relevanz. Am Rentenmarkt lösten die Signale der Bank von Japan allerdings bereits einen weiteren Rückgang des Zinsniveaus aus. Das Renditeniveau der Standard-Staatsanleihe fiel so auf 1,465 %, nachdem es ein Wochenhoch von 1,536 % erreicht hatte. Die japanische Notenbank hatte zwar einerseits beschlossen - nachdem der Druck der Politik in den vergangenen Tagen weiter massiv zugenommen hatte - an der bisherigen Zielsetzung für die zinspolitische Steuerung am Geldmarkt festzuhalten. Gleichzeitig wurde jedoch Besorgnis angesichts der "Instabilitäten an den Finanzmärkten" artikuliert. Deswegen sollen jetzt "Maßnahmen zur Verbesserung der Liquiditätsversorgung der Finanzmärkte insbesondere mit Blick auf den Bilanztermin 31. März geprüft werden". Konkret geht es um eine Revision der täglichen Offenmarkt-Operationen. Erste Entscheidungen werden bei der Sitzung des Geldpolitischen Ausschusses am 9. Februar erwartet.

An den Finanzmärkten werten Händler und Analysten die opaque Erklärung der Notenbank bereits als Vorbereitung auf eine quantitative Erweiterung der Liquiditätszufuhr durch den Kauf von Staatsanleihen und möglicherweise sogar auch durch Unternehmensanleihen und Aktien.

Eine bedeutende Kaufempfehlung gab es in der vergangenen Woche von der Deutschen Securities in Tokio. Langfristig empfehlen die zuständigen Analysten die Aktien von Shinko Electric Industries, einem Unternehmen der Fujitsu-Gruppe. Für die Papiere des führenden japanischen Herstellers von Halbleitertechnik für Computer und sonstige mobile Endgeräte und Digitaltechnik prognostizieren die Analysten ein Kursziel von 5 500 Yen. Am Freitag schlossen die Aktien bei 4 120 Yen. Die günstige Wechselkursentwicklung sehen die Analysten nur als ein Element der positiven Perspektive. Vor allem stellen sie auf die starke technologische Position des Herstellers bei der Entwicklung der nächsten Generation elektronischer Bauelemente ab.



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