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18.01.2001

10:32 Uhr

Gezielte Abschaltungen sollen Energie sparen

Stromausfall in Silicon Valley - Notstand ausgerufen

Ampeln fielen aus, die Polizei regelte den Verkehr, die Händler griffen zum Taschenrechner, Professoren unterrichteten ihre Studenten bei Kerzenlicht. Die Krise der Versorgungsunternehmen legte das öffentliche Leben im Norden von Kalifornien lahm.

ap SACRAMENTO. Die ersten Stromabschaltungen seit dem Zweiten Weltkrieg haben das öffentliche Leben im Norden von Kalifornien lahm gelegt. Teile von San Francisco, Sacramento und San Jose sowie andere Bezirke in der High-Tech-Region Silicon Valley waren am Mittwoch (Ortszeit) für Stunden ohne Strom. Wo Ampeln ausfielen, regelte die Polizei den Verkehr, in den Geschäften griffen die Händler wieder zum Taschenrechner, Professoren unterrichteten ihre Studenten bei Kerzenlicht. Auch am Donnerstag sollte der Strom wieder nicht ausreichen, um den Bedarf zu decken.

Der Gouverneur von Kalifornien, Gray Davis, unterzeichnete am Abend eine Anordnung, nach der die Behörden Strom aus den Nachbarstaaten einkaufen dürfen. Diese Maßnahme wird die Steuerzahler in den kommenden Tagen Mill. Dollar kosten, für die kommenden Wochen wird sogar mit Kosten von hunderten Mill. Dollar gerechnet. "Dies ist eine Brücke zu einer dauerhaften Lösung", sagte Davis. Mehrere Stromlieferanten hätten gedroht, ausstehende Zahlungen einzufordern, falls die Abgeordneten die Anordnung nicht unterzeichneten.



Nur wichtige Einrichtungen erhalten Strom

In Nordkalifornien wurde im Rotationsverfahren in den Bezirken jeweils für eine Stunde der Strom abgestellt. Ausgenommen waren lediglich wichtige Einrichtungen wie Krankenhäuser und Flughäfen. Aus Sicherheitsgründen wurde nicht mitgeteilt, wann welche Bezirke betroffen waren. Los Angeles blieb verschont, weil es eigene Energieversorger hat.

In den vergangen Wochen stand der Leitungsnetzbetreiber Independent System Operator (ISO) schon öfters kurz davor, den Strom abzuschalten. Am Mittwoch stand aber erstmals nicht genug Energie zur Verfügung, um den Bedarf zu decken. ISO-Manager Jim Detmers erklärte, in Reparatur befindliche Kraftwerke hätten nicht wie geplant am Mittwoch ihre Arbeit aufnehmen können. Und Energieversorger außerhalb von Kalifornien verkauften derzeit keinen Strom in den Staat, weil die beiden größten Energieunternehmen kurz vor dem Konkurs ständen.



Deregulierung des Strommarktes gescheitert

Hintergrund der Energiekrise ist vor allem die gescheiterte Deregulierung des Strommarktes in Kalifornien. Die Stromkonzerne mussten Kraftwerke verkaufen und den Strom auf dem freien Markt kaufen. Dies sollte zu niedrigeren Strompreisen führen. Stattdessen verursachten die insgesamt gestiegenen Energiepreise bei den beiden Unternehmen Kosten von 10 Mrd. $. Wegen festgelegter Höchstpreise konnten die Preissteigerungen nicht an die Verbraucher weitergegeben werden. Geplant ist nun, dass der Staat Strom aufkauft und an die Unternehmen zu einem Fünftel des Marktpreises weitergibt.



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