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11.07.2000

21:49 Uhr

Gipfel

Camp-David-Treffen begann mit einem Spaziergang

Clinten und Barak geben sich betont locker, das läßt auf einen positiven Verlauf der Gespräche hoffen.

dpa CAMP DAVID/TEL AVIV. Mit einem gemeinsamen Spaziergang haben US-Präsident Bill Clinton, Israels Regierungschef Ehud Barak und Palästinenserpräsident Jassir Arafat am Dienstag ihren Dreiergipfel in Camp David bei Washington begonnen. Die drei Politiker präsentierten sich der Presse in legerer Kleidung und betont lockerer Stimmung.



Clinton lehnte auf Fragen von Journalisten jede Antwort ab. "Wir haben 'Keinen Kommentar' vereinbart", sagte er lachend. Anschließend rangelten Barak und Arafat scherzhaft darum, wer als erster durch die Tür in das Landhaus des US-Präsidenten gehen sollte. Clinton hatte zuvor mit seinen beiden Gästen getrennte Gespräche geführt. Er rief sie auf, die historische Friedenschance auf dem Treffen in der Abgeschiedenheit des Landsitzes zu nutzen.



Vor dem Abflug zum Gipfel in die Catoctin-Berge des Bundesstaates Maryland sagte der Präsident in Washington, dass trotz der Regierungskrise in Jerusalem eine Friedenslösung erreicht werden könne. Ein Erfolg des Gipfels sei nicht garantiert, räumte er ein. Aber es nicht zu versuchen, wäre ein garantierter Misserfolg. Israelis und Palästinenser könnten auf dem Friedenspfad, der 1978 mit einem israelisch-ägyptischen Gipfel begonnen habe, nicht mehr zurück- , sondern nur vorangehen. In Camp David wurde vor 22 Jahren der historische Frieden zwischen Israel und Ägypten geschlossen.



In Israel begannen Rechtsextremisten zum Auftakt der Nahost- Konferenz mit Hetzkampagnen gegen das so genannte israelische Friedenslager. Wie das israelische Fernsehen berichtete, tauchten im Internet Seiten auf, auf denen Barak in Nazi-Uniform mit Hitler-Bart gezeigt wird. Schon in der vergangenen Woche waren in Jerusalem Plakate zu sehen, auf denen Barak mit der typischen palästinensischen Kopfbedeckung, der Kefija, gezeigt wurde. Auf der Internet-Seite, deren Adresse vom Fernsehen bewusst nicht genannt wurde, findet sich den Angaben zufolge auch ein Spiel, bei dem Internet-Nutzer den Regierungschef elektronisch abschießen können.



Auch andere politische Gegner meldeten sich zu Wort. Jüdische Siedler von den Golan-Höhen, aus dem Westjordanland und dem Gazastreifen begannen einen Hungerstreik vor dem Büro von Ministerpräsident Ehud Barak. Die Bewegung "Frieden jetzt" rief dagegen zu einer großen Demonstration zur Unterstützung Baraks im Zentrum Jerusalems auf. Organisationen beider Lager planen für das Wochenende Großdemonstrationen in Tel Aviv.



Clinton setzte Arafat und Barak in Camp David keine "künstliche Frist". Der US-Präsident selbst will aber am 19. Juli zum G-8-Gipfel nach Japan abreisen. Zu den strittigsten Fragen auf dem Nahost-Gipfel gehören der Status Jerusalems, das sowohl von Israelis und als auch Palästinensern als Hauptstadt beansprucht wird, die Grenzen eines künftigen unabhängigen palästinensischen Staates und die Flüchtlingsfrage. Die Palästinenser wollen, dass Israel die Rückkehr Hunderttausender Flüchtlinge aus den Nachbarländern ermöglicht.

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