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06.06.2000

19:16 Uhr

GKL macht Stresstest für Lebensversicherungsgesellschaften

Gerling bietet Rabatt für Internet-Kunden

VonRITA LANSCH

Noch hat Gerling nicht entschieden, ob die Kunden demnächst neben Privathaftpflicht- und Autopolicen auch Lebensversicherungen online ordern können. Die Möglichkeit, das neue Internet-gestützte Agentursystem für Endkunden scharf zu schalten, bestünde aber, bestätigte Jochen Aymanns, Vorstandsvorsitzender der Gerling Lebensversicherungs-AG-Konzern (GKL) am späten Montag in Köln.

KÖLN. Bis dahin läuft es über den Vertreter: Nach automatischer Abfrage der Gesundheitsdaten bekommt der Kunde bei Antragstellung vorläufigen Versicherungsschutz, bis die Police per Post zugestellt ist. Eigentlich sei der Außendienst für solche Arbeit zu schade, ließ Aymanns durchblicken.

Gerling habe wegen des Internet-Vertriebs "überhaupt kein Problem mit dem Außendienst", betonte er. Es würden bereits Policen im Netz angeboten, die ohne Provision kalkuliert seien - was in der Branche mit Rücksicht auf die Verkäufer extrem selten ist. Dem Kunden honoriere man die Eigeninitiative mit Rabatten von 10 % in der Sach- und 3 % in der Autoversicherung. Im Intranet von Firmen wird heute schon ein Nachlass gewährt, der dem Grad der Einsparung in der Verwaltung entspricht.

Die GKL hat derzeit ein Problem, das viele ältere Versicherer haben: Übermäßig viele der Ende der 70er Jahren abgeschlossenen "Befreiungspolicen" (zum Ausstieg aus der gesetzlichen Rentenversicherung) stehen zur Auszahlung an. Gerling war damals besonders aktiv und hat dementsprechend einen "Buckel" Abgänge zu verkraften, der erst 2001 wieder abflache. Da trifft es sich gut, dass die noch junge Gerling E&L Lebensversicherungs-AG (GEL), Wiesbaden, für Ausgleich sorgt. Während die GKL sich auf Branchenniveau bewegt, ist die GEL mit plus 71 % Neugeschäftsbeiträgen der eigentliche Wachstumstreiber und obendrein stark im Bereich der Fonds gebundenen Lebensversicherung. Zusammen hat die Gruppe einen Marktanteil von 2,92 % im Neugeschäft.

Da nicht nur das Neugeschäft 1999 boomte, sondern auch die Kapitalmärkte mitspielten, blickt die GKL auf das beste Jahr in ihrer Geschichte. Von den 3,4 Mrd. DM Beitragseinnahmen bleiben vor Steuern 99,5 und nach Steuern 55,5 Mill. DM Gewinn. Die stillen Reserven erhöhten sich von 11,3 auf 15,7 % der Kapitalanlagen, was bei der zunehmend börsenorientierten Anlagepolitik wichtig sei.

Wichtig sei daher auch der "Stresstest" der Sicherheitsmittel (Solvabilitätsspanne plus Marktwertschwankungsreserve). In dem Szenario aus einem Aktiencrash von 25 % bei gleichzeitigem Zinsanstieg um 3 % zeige sich, dass das Polster der GKL 39 % dicker sei als nötig. Die Konkurrenz schafft 20 bis 80 % Überdeckung, aber einer fällt mit minus 9 % sogar durch.

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