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09.01.2003

07:17 Uhr

Gläubigerbanken zeigen dem ehemaligen Telecom-Italia-Chef Colaninno die kalte Schulter – Zweifel an der Finanzierung

Skepsis über neuen Fiat-Rettungsplan wächst

VonMarcello Berni

Die Gläubigerbanken des Fiat-Konzerns haben am Mittwoch äußerst kühl auf alternative Rettungskonzepte für den angeschlagenen italienischen Autohersteller reagiert. Bei einem Treffen verständigten sich die Spitzenvertreter der vier führenden Institute des Landes, ausschließlich über Pläne zu diskutieren, die vorher vom Fiat-Management abgesegnet worden sind. Bis auf weiteres bleibe die Strategie gültig, 8 100 Arbeitsplätze abzubauen und mit jährlichen Investitionen von 2,5 Mrd. Euro eine Modelloffensive zu starten.

MAILAND. Diese Linie wird in Finanzkreisen als Absage an den ehemaligen Chef der Telecom Italia, Roberto Colaninno, bewertet. Der Unternehmer hat angeboten, sich mit eigenen und fremden Mitteln an Fiat zu beteiligen und den Konzern künftig als Vorstandschef zu führen. Ein Plan, den dem Vernehmen nach auch Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi unterstützt.

Käme es so, würde die Industriellendynastie Agnelli die Kontrolle über das von ihr gegründete Unternehmen verlieren. Daher haben sich der Familie nahe stehende Personen bereits kritisch über den Vorstoß des Großinvestors geäußert. So sagte der Ferrari-Boss und Agnelli-Vertraute Luca Cordero di Montezemolo auf der Detroit Motor Show: "Bei Fiat scheint es im Moment andere Prioritäten zu geben." Auch Richard Wagoner, CEO des Fiat-Partners General Motors, ließ verlauten, dass er mit Colaninno noch keine Kontakte hatte und die Unruhe um den Fiat-Konzern als schädlich empfinde.

Diezeigte sich gestern auch angesichts sinkender Kurse der Fiat-Aktie. Nach der Ankündigung des Financiers, beim Autohersteller einsteigen zu wollen, waren die Titel zunächst um rund 20 % nach oben geschnellt. Doch die Finanzierung des Vorhabens ist vollkommen ungeklärt. Unbestätigten Presseberichten zufolge will der Unternehmer rund eine Mrd. Euro selbst investieren und weitere 7 Mrd. Euro Fremdkapital aufbringen - Summen, die von Insidern als übertrieben hoch bewertet werden. Colaninnos Vermögen wird nach dem Verkauf seiner Telecom-Italia-Anteile an Pirelli im Sommer 2001 auf maximal 500 Mill. Euro geschätzt. In einem Interview mit der Tageszeitung "La Republica", das von Beobachtern als Zeichen der Schwäche interpretiert wird, sagte Colaninno gestern: "Das erscheint Ihnen wenig. Mir erscheint das viel, es kommt nur auf den Standpunkt an."

Dementiert wurden derweil vom Finanzministerium Gerüchte, wonach Fiat-Auto von der Fiat-Holding abgespalten werden solle. Bankkreisen zufolge wird dies aber diskutiert. Demnach würde sich der Staat an dem Fahrzeughersteller mit 25 % beteiligen und 25 % des Kapitals per Börsengang platziert. Dieses "Volkswagen-Modell" mit öffentlicher Beteiligung hatte Ministerpräsident Silvio Berlusconi bereits im Herbst dem Top-Management von Fiat vorgeschlagen, was seinerzeit insbesondere von den Banken und GM abgelehnt wurde.

Quelle: Handelsblatt

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