Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.07.2000

18:03 Uhr

Glasfaserkonzern verkündet Megafusion

JDS Uniphase kauft SDL für 41 Milliarden Dollar

Der weltweit stark steigende Bedarf an Glasfasernetzen führt zu Zusammenschlüssen der Anbieter und stark steigenden Kursen an der Börse. Jetzt gehen in den USA JDS Uniphase und SDL zusammen, die in den vergangenen Monaten selbst zahlreiche Unternehmen aufgekauft haben.

hus/wsj NEW YORK. In einem der größten Zusammenschlüsse im Technologie-Bereich kauft der Glasfaser- Konzern JDS Uniphase Corp., San Jose/Kalifornien, den Kommunikations SDL Inc., -Technologiekonzern ebenfalls San Jose. Die Übernahme auf Basis eines Aktientauschs wird mit 41 Mrd. $ bewertet. Damit zahlt JDS gegenüber dem Aktienkurs von SDL am Freitag eine Prämie von 50 %. JDS hatte erst Ende Juni das Glasfaser-Technologie-Unternehmen E-Tek Dynamics für 15 Mrd. $ gekauft und nach Auskunft von Vorstandschef Jozef Straus sofort nach dem Abschluss die Verhandlungen mit SDL begonnen.

Die Fusion wirft ein Schlaglicht auf den rasant steigenden Bedarf nach Glasfaser-Ausrüstung im Telekommunikations-Bereich. JDS Uniphase und SDL, beides Unternehmen, die rasch gewachsen sind, gehören zur Gruppe der unabhängigen Telekommunikations-Ausrüster, die mit großen Namen wie Lucent Technologies, Nortel Networks und dem französischen Alcatel-Konzern konkurrieren.

JDS Uniphase tauscht nach dem Abkommen 3,8 eigene Aktien gegen eine SDL-Aktie ein. Damit zahlt JDS nach den Kursen von Ende vergangener Woche 441,5 $ pro SDL-Aktie. An der Technologiebörse Nasdaq hatte SDL am Freitrag mit 295 $ notiert. Als ein Grund für den hohen Preis gilt, dass sich auch der Glasfaser-Konzern Corning Inc. um SDL bemüht hat.

SDL stellt Laser und Verstärker für Glasfaser-Systeme her. Die Laser erzeugen einen Lichtstrahl für den Transport von Information, die Verstärker erhalten das Licht über längere Entfernungen. JDS produziert zwar ebenfalls Laser, musste in der Vergangenheit aber Produkte von SDL kaufen. "Zusammen werden wir in der Lage sein, unsere Kunden besser zu bedienen und die Produkte schneller auf den Markt zu bringen", erläuterte Straus. Er wird Vorstandschef des neuen Unternehmens bleiben, während der bisherige Vorstandschef von SDL, Donald Scifres, gemeinsam mit Straus Vorsitzender der Verwaltungsrats wird. Präsident des Gesamtunternehmens wird der jetzige Präsident von JDS Uniphase, Martin Kaplan sein.

Der Hersteller von Glasfaserkomponenten JDS ist in den vergangenen Jahren rasch gewachsen und gilt als einer der klassischen High-Tech-Werte. Allein in diesem Jahr hat sich der Kurs der JDS-Aktie um 44 % verbessert, innerhalb der letzten zwölf Monate ist er sogar um 450 % gestiegen. Mit dem jetzigen Marktwert von rund 90 Mrd. $ hat JDS genug Mittel, um aggressiv Konkurrenten aufzukaufen. Die JDS- Komponenten werden gebraucht, um Sprache oder Daten in hoher Geschwindigkeit zu übertragen. JDS Uniphase entstand vor einem Jahr aus einer Fusion der Uniphase Corp. mit JDS Fitel Inc., Nepean/Ontario und setzte im dritten Quartal 395 Mill. $ um.

Auch die SDL-Aktie hat eine kometenhafte Kursentwicklung hinter sich. Sie verbesserte ihren Kurs um 171 % in diesem Jahr und ist in den vergangenen zwölf Monaten um 1 016 % gestiegen. Damit hatte SDL bei einem Quartalsumsatz von 72 Mill. $ einen Marktwert von 22 Mrd. $. SDL hat in den vergangenen Monaten aggressiv andere Unternehmen erworben, darunter die Photonic Integration Research Inc, einen Hersteller von Silikon-Rastern, die Licht in verschiedene Wellenlängen aufteilen und damit eine Vielzahl von Informationskanälen schaffen.

Mit der jüngsten Fusionswelle im Glasfaser-Bereich zeichnet sich eine ähnliche Entwicklung ab wie zuvor in der Automobilindustrie. Die Telekommunikationskonzerne erwarten in immer rascherem Tempo immer preiswertere Zulieferteile und wünschen sich dabei verlässliche Partner. "Das hier ist eine reifende Branche", kommentierte der Londoner Technologie-Analyst Mark Davies-Jones von der Investmentbank Salomon Smith Barney, "die Zuliefer-Firmen bemühen sich darum, ihren Kunden komplette, voll integrierte Lösungen anzubieten. Der Kaufpreis ist keine Überraschung." John Butler vom Investmenthaus Prudential Securities sagte: "In der Branche besteht ein hoher Bedarf, die Telekommunikationsstrukturen auszubauen, und das auch sehr schnell." Diesem Bedarf könne man nur über Akquisitionen nachkommen. Die Aktienbesitzer müssen der Fusion noch zustimmen. Außerdem hat der Zusammenschluss noch keine kartellrechtliche Genehmigung.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×