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08.01.2001

15:19 Uhr

ap MÜNCHEN. Die CSU hält ihren Parteichef Edmund Stoiber als möglichen Kanzlerkandidaten im Gespräch. Vor der CSU-Klausur am Montag in Wildbad Kreuth forderten führende Christsoziale den bayerischen Ministerpräsidenten auf, im Rennen zu bleiben. CSU-Landesgruppenchef Michael Glos erklärte, Stoiber sei ein `gewaltiger Hoffnungsträger". Der parlamentarische Geschäftsführer der Landesgruppe, Peter Ramsauer, sprach von einem "exzellenten Kandidaten". Ein Ende der Diskussion forderte CSU-Generalsekretär Thomas Goppel.

Einig zeigten sich alle CSU-Politiker, dass die Zeit für eine Entscheidung jetzt noch nicht reif sei. In mehreren Interviews betonte Glos, die CSU habe den gleichen Anspruch wie die CDU, den Kanzlerkandidaten zu stellen. `Entscheidend ist, wer die größten Siegeschancen hat." Stoiber biete sich einfach an `von seiner Person her, von seiner Erfahrung her, von seiner Kompetenz her, von seiner Vitalität und seinem bisherigen Tun in der Politik her", erklärte Glos. Allerdings wäre es Unsinn, sich schon jetzt endgültig zu entscheiden.

Auch der stellvertretende Parteichef Horst Seehofer forderte in der "Süddeutschen Zeitung", den Kandidaten zu nominieren, der 2002 die beste Chance gegen Bundeskanzler Gerhard Schröder habe. Ramsauer verlangte im Deutschlandradio und Westdeutschen Rundfunk ebenfalls, die Frage der Kanzlerkandidatur müsse für die CSU offen bleiben. Aber auch die CDU-Vorsitzende Angela Merkel wäre für Schröder `eine außergewöhnlich gefährliche Herausforderung".

Auch der bayerische SPD-Landesvorsitzende Wolfgang Hoderlein sprach sich für die Bewerbung Stoibers aus. `Mir wär's recht, wenn er es machen würde", sagte er im Bayerischen Rundfunk. Dann wäre die Konstellation in Bayern für die Bundestagswahl klar, und für die SPD sei die Frage, wer gewinnt, ohne Belang. `Die nächste Bundesregierung wird die SPD stellen."

Stoiber hatte eine Kandidatur zuletzt auf dem CSU-Parteitag im November "definitiv" ausgeschlossen. Ende Dezember nannte er es allerdings in einem Interview der `Passauer Neuen Presse" völlig offen, wen CDU und CSU 2002 gegen Schröder ins Rennen schicken werden. Bei den Unionsparteien gebe es keinen geborenen Kandidaten, aber natürlich stehe außer Frage, dass in erster Linie die Spitzenleute in Betracht kämen. Auch Glos betonte: `Niemand hat zu- oder abgesagt."

Goppel fordert Ende der Diskussion

Gegen eine weitere Diskussion über den Kanzlerkandidaten wandte sich Goppel. "Ein Gegenkandidat, der nicht im Amt ist, darf erst in letzter Minute aufgestellt werden. Alles andere spricht für Dummheit", sagte der CSU-Generalsekretär im Inforadio Berlin. Mit der jetzigen Debatte solle die CSU offenbar davon abgebracht werden, Sachthemen zu artikulieren. Man lasse sich aber nicht ablenken.

Einig zeigten sich die CSU-Politiker in der Bewertung der FDP. Sie sei der natürliche Koalitionspartner der Union nach einem Wahlsieg, erklärten sowohl Glos als auch Ramsauer. "Wir freuen uns, wenn sie wieder stärker wird", sagte Glos. Auch Ramsauer betonte, er hoffe, dass die FDP jetzt schnell aus ihrer Führungskrise herauskomme.

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