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27.06.2000

12:07 Uhr

Going Public derzeit uninteressant

Gerling-Börsengang in weite Ferne gerückt

Das Börsenumfeld ist derzeit ungünstig, im vergangenen Geschäftsjahr häuften sich die Naturkatastrophen.

vwd KÖLN. Der für das laufende Jahr geplante Börsengang des Gerling-Konzerns scheint wieder in weite Ferne gerückt. "Wir müssen warten, bis wir grünes Licht von den Großaktionären bekommen", sagte der Vorstandsvorsitzender der Gerling Versicherungs-Beteiligungs-AG, Köln, Jürgen Zech, am Montagabend bei der Bilanzvorlage. Im derzeitigen Börsenumfeld sei ein Going Public für die Eigentümer Rolf Gerling, der 70 % hält, und die Deutsche Bank (30 %) uninteressant.

Zech betonte, dass bei der Entscheidung der Verschiebung seiner Ansicht nach vor allem steuerliche Gründe - die für 2001 geplante Steuerbefreiung für Beteiligungsverkäufe - die wesentliche Rolle gespielt hätten und nicht der im vergangenen Jahr eingebrochene Gerling-Gewinn. Der Versicherungskonzern bilanzierte 1999 trotz eines deutlich gestiegenen Prämienvolumens einen auf 43 (277) Mill. DM gesunkenen Konzernjahresüberschuss nach IAS. Doch obwohl die Gerling-Holding den Termin für den Börsengang mittlerweile zweimal verschoben hat, hält Zech weiter an den Plänen fest.

Fest steht, dass die Deutsche Bank ihre Minderheitsbeteiligung abgeben will. "Für uns ist es am wichtigsten, unsere Unabhängigkeit zu behalten", sagte Zech. Ein neuer Großaktionär mit strategischen Interessen komme nicht in Frage. Für ein Unternehmen, dass wie Gerling intensiv an den Finanzmärkten agiere, passe die Notierung an der Börse, argumentierte Zech. Er hoffe auf ein Signal der Großaktionäre, wenn die Beteiligungsverkäufe steuerfrei gestellt würden.

Naturkatastrophen belasten im letzten Geschäftsjahr

Im vergangenen Geschäftsjahr belasteten vor allem eine ungewöhnliche Häufung von Naturkatastrophen den Konzern. Sie hatten zur Folge, dass der Gewinn der größten Konzerngesellschaft, der Rückversicherungsgruppe, stark absackte. Die Beitragseinnahmen des Konzerns kletterten vor allem auf Grund der Erstkonsolidierung der übernommenen Constitution Re um 23 % auf 16,5 Mrd. DM. Im laufenden Jahr will Gerling 17,4 Mrd. DM Prämien erreichen. Ein überproportionales Wachstum plant der Versicherer im Sach- sowie im Kreditgeschäft, die beide um über sieben Prozent zulegen sollen. Gleichzeitig soll die Nettoschadenquote auf 74,5 % sinken, nachdem sie im Vorjahr auf 81,2 (76,0) Prozent gestiegen war.

Zech sagte, dass sich die Gesellschaft in einer Reihe von Gesprächen mit Übernahmekandidaten befinde, obwohl Gerling als Basis auf organisches Wachstum setze. Als interessantes Unternehmen bezeichnete der Vorstandsvorsitzende den spanischen Kreditversicherer Musini, der privatisiert werden soll. Zudem gebe es in Spanien noch einen weiteren staatlichen Kreditversicherer, für den die Regierung ihre Verkaufsabsichten bekundet habe. Mit der schweizerischen Winterthur, die zur Credit-Suisse-Gruppe gehört, habe es Gespräche gegeben, diese seien jedoch beendet worden.

Die Tür sei allerdings nicht zugeschlagen worden, weitere Gespräche in Zukunft wollte Zech nicht ausschließen. Im vergangenen Jahr hatte es Spekulationen gegeben, Gerling werde sein Firmen- und Privatkundengeschäft an die Schweizer abgeben und dafür deren Industrieaktivitäten erhalten.

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