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02.01.2002

18:58 Uhr

"Goldener Handschlag" für beide Manager

Gemplus-Gründer Marc Lassus muss gehen

Sie haben es wohl zu weit getrieben mit ihrer Dauerfehde: Antonio Perez, Vorstandschef von Gemplus International S.A., dem weltweit größten Hersteller von Chipkarten für Mobiltelefone, und der Firmengründer und Aufsichtsratschef Marc Lassus. Beide müssen nun nach dem Willen der wichtigsten Aktionäre, der US-Fondsgesellschaft Texas Pacific Group und der deutschen Familie Quandt, bis Januar ihre Büros räumen. Ihnen folgen Ronald Macintosh als Vorstandsvorsitzender und Hasso von Falkenhausen, der bereits zwischen 1997 und 1999 an der Spitze des Aufsichtsrats saß.

tom FILDERSTADT. Der Wechsel soll nicht nur die Sanierung des Konzerns vorantreiben. Auch das notorisch schlechte Betriebsklima bei Gemplus soll sich ändern. In dem hauptsächlich in Frankreich angesiedelten Unternehmen brodelt es schon seit langem: Nicht nur der Betriebsverlust von 37 Millionen Euro im 3. Quartal des vergangenen Jahres - gegenüber einem operativen Gewinn von 32 Millionen Euro im gleichen Quartal des Vorjahres - kratzte an der Stellung von Perez. Der Spanier plante, zum Ärger von Firmengründer Lassus, den kompletten Wechsel der Unternehmensspitze ins Silicon Valley bei San Francisco.

Lassus witterte den schleichenden Umbau seines französischen Erfolgsunternehmens in eine amerikanische Gesellschaft. Branchenkenner vermuten daher auch den Firmengründer als Urheber einer aktuellen Kampagne gegen Perez in den französischen Medien.

Der Ingenieur Lassus gründete Gemplus 1988 mit einer Gruppe von Freunden. Das Unternehmen boomte in den folgenden Jahren, weil viele große Handyhersteller die Marktnische der mobilen Chipkarten nicht rechtzeitig besetzt hatten. Gemplus erreichte nach einem rasanten Aufstieg 1999 einen Umsatz von 767 Millionen Euro und beschäftigte rund 6 000 Mitarbeiter in 30 Ländern.

Ein Jahr später kam der erste Dämpfer: Als sich bereits die Krise der New Economy abzeichnete, ging Gemplus an die Börse - ein Fehlschlag. Seitdem steht das Unternehmen unter Druck: Die einstige Vorzeigefirma muss Personal abbauen.

Zur Verärgerung vieler Beschäftigter trug aber auch die Selbstbedienungsmentalität der beiden Top-Manager bei. Die Wahl einer luxemburgischen Rechtsform für Gemplus sollte vor allem dazu dienen, deren finanzielle Privilegien zu verschleiern. Perez muss nun bei seinem Ausscheiden rund zwölf Millionen Aktien zurückgeben, erst kürzlich hatte er bereits 18 Millionen Anteile abgetreten. Damit der Abgang aber nicht zu sehr schmerzt, bekommen Lassus und Perez noch einen "goldenen Handschlag": Beide können zum Abschied je rund zwölf Millionen US-Dollar mit nach Hause nehmen.

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