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16.02.2002

09:23 Uhr

Goldgrube Rodeln

Deutsche Schlitten-Asse bleiben unerreichbar

Freudenknäuel, Urschreie, geküsstes Eis - die Jubelszenen der deutschen Rodler im Utah Olympic Park werden noch in Jahren in Erinnerung sein. Mit einer eindrucksvollen Demonstration ihrer Klasse verabschiedeten sich die Schützlinge von Bundestrainer Thomas Schwab am Freitag von der im Vorfeld der Spiele mit großem Respekt behandelten Eisschlange, die sich erneut als Goldgrube für den olympischen Wintersport in Deutschland erwies.

Beim Rodeln der Damen gab es gleich einen dreifachen Triumph für die das deutsche Team. Foto: dpa

Beim Rodeln der Damen gab es gleich einen dreifachen Triumph für die das deutsche Team. Foto: dpa

HB/dpa SALT LAKE CITY. Wie vor vier Jahren gewannen die Schlittensportler in den drei Wettbewerben auf der Kunsteisbahn von Park City fünf der neun möglichen Medaillen. Die Bilanz bleibt mit zwei Mal Gold durch Sylke Otto (Oberwiesenthal) und Patric Leitner/Alexander Resch (Königssee/Berchtesgaden), zwei Mal Silber von Georg Hackl (Berchtesgaden) und Barbara Niedernhuber (Königssee) sowie Bronze für Silke Kraushaar (Oberhof) kaum hinter der von Nagano (3/1/1) zurück. Seit der Aufnahme von Rodeln ins olympische Programm 1964 holten deutsche Athleten 24 von 33 Olympiasiegen.

"Diese Bilanz ist gigantisch, da sie unter erschwerten Bedingungen zu Stande kam. Die Amerikaner hatten als eine der führenden Rodel- Nationen Heimvorteil, die mit Abstand meisten Trainingsläufe. Dass es dennoch wieder fünf Medaillen gab, zeigt, wie professionell die Trainer, Sportler und Funktionäre im Bob- und Schlittenverband für Deutschland arbeiten", sagte Wolfgang Kindinger, Koordinator für Rodeln und Bob im Bundesausschuss Leistungssport, der die finanziellen Mittel an die Verbände vergibt. "Das Geld ist bei den Rodlern bestens angelegt", betonte Kindinger.

Es ist aber auch dringend nötig. "Die Medaillen sind wichtig, weil nur so die vier Bahnen in Deutschland erhalten werden können", sagte Hackl. Die Eisschlangen in Königssee, Winterberg, Oberhof und Altenberg sind eine Grundlage für die Erfolge. Auf den vom Charakter her völlig unterschiedlichen Bahnen können nahezu alle Eventualitäten für Großereignisse auf internationalen Eiskanälen simuliert und trainiert werden. Ein weiterer unschätzbarer Vorteil gegenüber der Konkurrenz ist das ausgeklügelte Sichtungs- und Trainingssystem, das dem der früheren DDR kaum nachsteht. Von den kleinen Vereinen bis zur Nationalmannschaft werden die Rodler von zum Teil namhaften und erfahrenen Übungsleitern und Trainern betreut.

Auch im technischen Bereich wird in Deutschland mehr getan als anderswo. Die Forschungs- und Entwicklungsstelle Berlin (FES) stellt den Athleten jedes Jahr neue Schlitten zur Verfügung, die dem neuesten Stand der Forschung entsprechen und damit Weltniveau verkörpern. Die berufliche Absicherung der Aktiven, die alle Angehörige von Bundeswehr oder Bundesgrenzschutz sind und deshalb unter professionellen Bedingungen trainieren können, ist ein vierter und nicht unwesentlicher Grund für die Erfolge.

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