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15.01.2001

19:20 Uhr

Goldman Sachs sieht attraktive Preise – BNP Paribas noch vorsichtig

Zuversicht für Junk Bonds steigt

VonSTEFAN KEIDEL, CHRISTIAN POTTHOFF

Nach den Verlusten im letzten Jahr könnten europäische Hochzinsanleihen in diesem Jahr besser laufen. Dies glaubt zumindest die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs. Andere Experten sind nicht so optimistisch. Sie rechnen mit steigenden Ausfällen bei den Junk Bonds.

FRANKFURT/LONDON. Am Markt für Junk Bonds, also hoch verzinsliche Anleihen von Emittenten mit geringer Bonität, sieht die Welt offenbar nicht so schlecht aus wie noch vor einigen Wochen gedacht. Eine steigende Zahl von interessierten Investoren müsse ihre hohe Liquidität neu investieren, berichtet John Fusek, Head des European High Yield Research von Goldman Sachs in London. In den kommenden drei bis sechs Monaten könne mit einer ganzen Reihe von neuen Emissionen gerechnet werden. Nach Meinung von Fusek werde auch eine mögliche harte Landung der US-Wirtschaft, also eine starke Verlangsamung des Wirtschaftswachstums, seine Prognose kaum berühren, auch wenn es in diesem Markt einige Berührungspunkte mit Europa gäbe.

Nach Einschätzung von Goldman Sachs sind die Preise von Hochzinsanleihen aus Anlegersicht derzeit attraktiv. "Die Gesamtrendite für die Investoren in den USA und Europa wird von uns für dieses Jahr auf 15% geschätzt," zeigt man sich bei der US-Investmentbank zuversichtlich. Zum Vergleich: im vergangenen Jahr sank der von der Bank entwickelte GS Euro High Yield Index um 15,9 %. Zwar sei im ersten Quartal dieses Jahres wegen der guten Marktentwicklung im Dezember und Sorgen hinsichtlich von Kreditausfällen und der sich abschwächenden Konjunktur nur mit kleineren Gewinnen zu rechnen. Im weiteren Jahresverlauf werde der Markt aber an Fahrt gewinnen, da die makroökonomischen Sorgen nachlassen dürften. Einen Schlüssel für den Erfolg für den Markt für Hochzinsanleihen halten die Unternehmen in Händen, die unter anderem ihre Akquisitionen über den Kapitalmarkt finanzieren müssten. Dem Angebot stünden geschätzte 40 Mrd. US-Dollar Kapital des wachsenden "Private-Equity-Marktes" Euromarkt gegenüber. 2000 betrug das Volumen der Neuemissionen in Europa 13 Mrd. $. Diese Zahl dürfte in diesem Jahr übertroffen werden, so Fusek. Neben den Telekom-Firmen könnten auch Versorger mit neuen Emissionen kommen. Zugleich werde aber auch die Rate der Ausfälle von global fast 7% im vergangenen Jahr noch steigen, warnt Fusek.

Doch gerade der hohen Ausfallrate gewinnt die Bank auch Positives ab. Der Grund: Schon in der Vergangenheit sei das Jahr mit den höchsten Ausfällen auch dasjenige mit der höchsten Rendite gewesen. Die Märkte würden anziehen, weil Investoren zu der Überzeugung kämen, dass das Schlimmste vorbei sei, heißt es bei der Bank.

Erstmals präsentiert Goldman ein Modell-Portfolio für europäische Hochzinsanleihen. Für das erste Quartal des laufenden Jahres wird als einziger Sektor die Telekombranche übergewichtet. Kabelgesellschaften werden neutral eingestuft. Zwar biete die Branche attraktive Renditeaufschläge (Spreads). Doch seien Neuemissionen in Deutschland zu erwarten, die das Angebot an Anleihen erhöhen würden.

Zu einer moderaten Untergewichtung raten die Experten bei Papieren aus dem Bereich Industrie, zu dem die Branchen Chemie, Verpackung, Energie und verarbeitende Industrie zählen. Auch der Bereich Konsum (Freizeit, Konsumdienstleistungen, Nahrung, Gesundheit, Transport) wird untergewichtet. Nicht ganz so zuversichtlich ist BNP Paribas.

Sollte die US-Wirtschaft eine harte Landung haben, dann dürfte dies die Tätigkeit am Junk Bond Markt erheblich verringern, glaubt Antonio Carballo, Senior Analyst der französischen Bank. Auch schaut Carballo auf die Nasdaq. Wenn hier die Kurse noch weiter in den Keller fielen, dann verschlechtere sich die Lage für die kapitalsuchenden Unternehmen.

Die Gesamtrendite für den Anleger veranschlagt er bei einem "soft landing" der US-Konjunktur auf 10 % bis 15 %. Die Ausfallrate steigt Carballo zufolge in diesem Jahr von rund 6 % auf 7 % bis maximal 8 %. Das führt auf den Schub an Neuemissionen in den Jahren 1998 und 1999 zurück und sei nichts Beunruhigendes.

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