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25.01.2003

16:34 Uhr

Griechenland will gestörtes Verhältnis Europa-USA kitten helfen

Griechen wollen vermitteln

Beim Weltwirtschaftsforum in Davos war auch am Samstag der Irak-Konflikt das beherrschende Thema. Griechenland, das derzeit den EU-Ratsvorsitz innehat, will dazu beitragen, das gestörte Verhältnis zwischen Europa und den USA nach den jüngsten kritischen Äußerungen auf beiden Seiten des Atlantiks wieder zu kitten.

HB/dpa DAVOS. Außenminister George Papandreou kündigte eine entsprechende Initiative an, die er auch mit US-Außenminister Colin Powell abgesprochen habe. Powell war am Samstag in Davos (Schweiz) eingetroffen, wo er an diesem Sonntag eine Rede halten wird. Im Ort Davos selbst, wo bis Dienstag mehr als 2000 Führungskräfte aus Politik und Wirtschaft tagen, demonstrierten mehrere hundert Menschen gegen Krieg und Globalisierung. Die Polizei hatte den Tagungsort hermetisch abgeriegelt.

US-Verteidigungsministers Donald Rumsfeld hatte Deutschland und Frankreich wegen ihrer ablehnenden Haltung zu einem Irak-Krieg als das "alte Europa" und als "Problem" bezeichnet. "Wir kommen in eine sehr gefährliche Situation, wenn dies so weiter geht", sagte Papandreou. "Deshalb ist für uns der Dialog zwischen der EU und den USA eine unserer höchsten Prioritäten." Auch der slowenische Präsident Janez Drnovsek forderte, dass der Streit zwischen einigen europäischen Staaten und den USA aufhören müsse. "Das bereitet mir zunehmend Sorgen", sagte der Präsident. "Wir sollten aufhören und nachdenken", verlangte Drnovsek. "Die atlantische Partnerschaft steht auf dem Spiel." Dies schade auch den kleinen Staaten.

Powell bekräftigte, dass sein Land die bisherige UN-Resolution als ausreichend für einen Krieg gegen den Irak erachtet. "Dies ist für die internationale Gemeinschaft oder die Vereinten Nationen nicht der Zeitpunkt, von der einzigen Verantwortung, die sie mit der Resolution 1441 eingegangen sind, nämlich den Irak zu entwaffnen, zurückzuweichen." Er könne aus dem Stegreif mehr als zehn Länder benennen, die ebenfalls für einen sofortigen Schlag gegen den Irak seien, ohne dass es einer neuen UN-Resolution bedürfe.

Am Nachmittag kamen nach Angaben der Veranstalter in Davos rund 2 000 Menschen zusammen. Weitere 4 000 wurden noch erwartet. Zuvor hatten schon etwa 600 Demonstranten friedlich gegen das Weltwirtschaftsforum protestiert. Ein großes Polizeiaufgebot hielt die zum Teil bunt kostümierten Globalisierungskritiker und Kriegsgegner davon ab, näher als rund 150 Meter an den Konferenzort zu gelangen.

Die Polizei hatte etwa 30 Kilometer vor Davos im Ort Fideris eine Kontrollstelle eingerichtet, wo Demonstranten nach Waffen und anderen nicht genehmigten Gegenständen durchsucht wurden. Dagegen hatte es zunächst Proteste gegeben. Mehrere Demonstranten hatten sich in Zügen angekettet, weil sie sich nicht kontrollieren lassen wollten. Im Laufe des Tages kam es zu vereinzelten Zusammenstößen im Bereich des Bahnhofs von Landquart, bei denen die Polizei Tränengas- und Wasserwerfer einsetzte.

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