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24.01.2003

14:00 Uhr

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Großanleger suchen nach Aktien-Alternativen

Gibt es tatsächlich bald Krieg? Bleibt die wirtschaftliche Erholung 2003 aus? Hält die Aktienschwäche noch länger an?

Bange Fragen, so und ähnlich jeden Tag neu gestellt. Niemand sollte sich wundern, dass die zum Teil überraschend positiven Lageberichte bedeutender US-Unternehmen - insbesondere aus dem Hightech-Bereich - in der zurückliegenden Woche nur kurze, lokale Zuckungen ausgelöst haben. Mikro-Meldungen können eben so lange keinen Kurstrend initiieren, wie makroökonomischer und geopolitischer Nebel über den Märkten liegt.

Neben diesen zentralen Themen gibt es noch andere Entwicklungen, die zumindest die Börsen-Fachwelt beschäftigen. Sie alle stehen unter dem Motto: Die Zeiten sind härter geworden, der Wettbewerb ist es auch - bei den Handelssystemen und den Anlageprodukten. In der Mainmetropole wehte vergangene Woche ein kühler Wind, denn nur kurz nach der vom Hessischen Wirtschaftsministerium vorgelegten - kritischen! - Bestandsaufnahme hat die Finanzplatz-Diskussion durch ein McKinsey-Thesenpapier neue Nahrung erhalten. Und so liefern die Germanen insbesondere ihren britisch-kritischen Konkurrenten wieder einmal Stoff für Spott. Vielleicht bringt aber die Debatte über "Ist das Glas noch halbvoll oder schon halbleer?" frischen Wind in Deutschlands Finanzzentrum.

Auch auf regionaler Ebene tut sich einiges. Beispiele: Berlin und Bremen, jetzt unter einem Dach, haben für Ende des ersten Quartals zwei unterschiedliche Marktmodelle angekündigt - neben dem bekannten Börsensystem die "Nasdaq Deutschland". Die Börse München will Anfang Mai "Max-One" starten, eine Alternative zum marktbeherrschenden Xetra-System. Ein Zeichen für Innovation ist auch der Erfolg der hierzulande noch jungen XTF, der börsengehandelten Investmentfonds. Frankfurt meldet dazu rasantes Umsatzwachstum. Das gilt auch für den spektakulären Boom des Zertifikatehandels an der Stuttgarter Börse.

Andere Nachrichten stimmen dagegen nachdenklich: Die Sauerborn Trust AG, die sich um die Reichsten der Reichen in Europa kümmert, bekennt sich zunehmend zu Anlageformen wie Private Equity und Hedge Funds. Klassische Wertpapiere würden in den Depots ihrer Privatkunden mehr und mehr in den Hintergrund treten. Fast zeitgleich hat die Frankfurter Anovia AG, eine unabhängige Beratungsgesellschaft für institutionelle Anleger, Umfrageergebnisse mit exakt dem gleichen Trend vorgelegt: Große Investoren haben ihre Aktienquote dramatisch reduziert oder sind gar ganz aus Dividendenwerten ausgestiegen, suchen weniger volatile Investments, wenden sich verstärkt außerbörslichen Beteiligungen (Private Equity) und Hedgefonds sowie speziellen Immobilienfonds zu. Schon diese kurze, aktuelle Übersicht macht deutlich, dass es die Aktie als das klassische, das wichtigste Instrument immer schwerer hat. Wird sie etwa von den modernen Alternativen verdrängt? Das macht mir Kummer. Die Börse darf doch nicht nur von Derivaten leben und von spekulativen Produkten bewegt werden!

Die letzte Januarwoche verspricht noch spannender, aber nicht erfreulicher für die Aktie zu werden, denn der drohende Krieg hängt wie ein Damoklesschwert über Dow und Dax.

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