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20.01.2003

07:26 Uhr

Großaufgebot im Einsatz

Britische Anti-Terror-Einheit stürmt Moschee

Anti-Terroreinheiten der britischen Polizei haben in London die Moschee eines radikalislamischen Imams gestürmt und sieben Personen festgenommen. Nach Angaben von Scotland Yard stand die Aktion am Montagmorgen in Verbindung mit dem Fund des hochgiftigen Biokampfstoffs Ricin Anfang des Monats in einer Londoner Wohnung.

HB/dpa LONDON. Die Nordlondoner Zentralmoschee Finsbury Park, eine der größten der Stadt, gilt seit Jahren als Sammelpunkt extremistischer Moslems. Im Mittelpunkt dieser Kreise steht nach Erkenntnissen der britischen Polizei der Imam Abu Hamza. Der 45-Jährige wurde am Montag jedoch nicht festgenommen. Im Fernsehen warf er dem britischen Premierminister Tony Blair vor, einen "Krieg" gegen alle Moslems zu führen. "Die wollen nur der Bevölkerung einen Schreck einjagen", sagte er. "Das ist alles Propaganda."

Außenminister Jack Straw sagte, die Durchsuchung der Moschee sei keine Aktion gegen britische Moslems gewesen, die den Terrorismus in ihrer großen Mehrheit ablehnten. Die Polizei ermittle vielmehr gegen eine kleine Gruppe von Extremisten. Innenminister David Blunkett und ein Sprecher von Blair sicherten der Polizei ihre volle Unterstützung zu. Die Polizei sprach von einer "sehr erfolgreichen Razzia", die ihr im Kampf gegen den Terrorismus wertvolle Informationen verschafft habe.

Abu Hamza ist der bekannteste islamische Extremist Großbritanniens. Der gebürtige Ägypter war als Kämpfer in Afghanistan durch eine Mine schwer verletzt worden und trägt seitdem einen Metallhaken anstelle seiner rechten Hand. In seinen Predigten unterstützte er offen die Taliban und bekundete immer wieder Sympathien für Osama bin Laden und dessen Terror-Netz El Kaida. Noch in der vergangenen Woche äußerte er Verständnis für einen algerischen Terror-Verdächtigen, der in Manchester einen britischen Polizisten erstochen hatte. Da Abu Hamza die britische Staatsbürgerschaft besitzt, kann er nicht abgeschoben werden.

Die Moschee wurde vom frühen Montagmorgen an von etwa 150 Polizisten durchkämmt, die sich mit Leitern und Rammböcken Zugang verschafft hatten. Scotland Yard legte jedoch Wert darauf, dass der direkte Gebetsbereich "aus Respekt vor dem moslemischen Glauben" nicht durchsucht worden sei. Die Moschee hat Platz für 2 000 Männer und 100 Frauen und wird vor allem von Pakistanern, Algeriern und Ägyptern besucht.

Im Zusammenhang mit dem Ricin-Fund in einer Londoner Wohnung wurde am Montag ein fünfter Mann als Terrorist angeklagt. Dem 36-Jährigen wird unter anderem die Herstellung von Chemiewaffen zur Last gelegt. Einige der Angeklagten waren regelmäßige Besucher der Finsbury Park- Moschee. Auch der "Schuhbomber" Richard Reid, der verhinderte angebliche "20. Attentäter" des 11. September, Zacarias Moussaoui, und der britische Taliban-Kämpfer Feroz Abbasi hatten oft in der Moschee gebetet.

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