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31.01.2001

10:48 Uhr

Großbanken beauftragt

Toyota dementiert Interesse an Daimler-Chrysler

In der Gerüchteküche brodelt es: Der deutsch-amerikanische Autobauer soll Großbanken mit der Ausarbeitung einen Verteidigungskonzeptes gegen eine Übernahme beauftragt haben. Toyota gehört nach eigenen Angaben nicht zu den Interessenten an einer Übernahme.

Reuters TOKIO/STUTTGART. Der japanische Autohersteller Toyota ist nach eigenen Angaben weiter nicht an einer Übernahme der Daimler-Chrysler AG interessiert. "Toyota hat kein solches Interesse", sagte eine Sprecherin des führenden japanischen Autokonzerns am Mittwoch in Tokio. Sie reagierte damit auf Aussagen aus Industriekreisen vom Dienstagabend, wonach Daimler-Chrysler zwei Großbanken mit der Ausarbeitung eines Verteidigungskonzept gegen einen möglichen Übernahmeversuch beauftragt habe. In den Kreisen hieß es auch, dass einzig Toyota zu einem solchen Gebot in der Lage sei. Der Kurs der Daimler-Chrysler-Aktie legte zunächst deutlich zu.

Bereits in der Vergangenheit hatte Toyota stets erklärt, nicht an einer Übernahme von Daimler-Chrysler interessiert zu sein. Die Sprecherin sagte nun: "Toyota denkt nicht über einen Kauf des DaimlerChrysler-Konzerns nach, und auch nicht über den Kauf eines Anteils oder irgendeines Bereiches des Unternehmens." Auch Analysten wiesen entsprechende Spekulationen zurück. "Das ist unwahrscheinlich. Das wäre sehr untypisch für Toyota", sagte Christopher Richter von HSBC Securities. Graeme Maxton vom Analysehaus Economist Intelligence Unit sagte dem Fernsehsender CNN, japanische Unternehmen gäben üblicherweise keine feindlichen Übernahmegebote ab, und deutsche Firmen tendierten dazu, solche Angebote abzulehnen.

Auslöser der Stellungnahme von Toyota waren Aussagen aus Industriekreisen, wonach Daimler-Chrysler die Deutsche Bank und die Investmentbank JP Morgan Chase mit der Ausarbeitung eines Konzepts beauftragt habe, um einen Übernahmeversuch von vorneherein zu verhindern. Die Deutsche Bank ist selbst mit einem Anteil von etwa zwölf Prozent größter Aktionär von Daimler-Chrysler. "Es ist in diesen Tagen passend für einen Vorstandschef, vorbereitet zu sein", hieß es in den Kreisen. Ein Übernahmeversuch sei aber nicht in Sicht. Insgesamt sollte der Vorgang nicht überinterpretiert werden. "Sie (Daimler-Chrysler) versuchen, nett zu ihren Aktionären zu sein", hieß es.

Daimler-Chrysler hatte eine Stellungnahme zu den Aussagen aus Industriekreisen abgelehnt. Konzernsprecher Christoph Walther sagte am Dienstagabend lediglich: "Bei unserem Handeln haben wir immer das Interesse der Aktionäre im Auge."

Welche Maßnahmen bei Daimler-Chrysler zur Debatte stehen könnten, blieb unklar. Der Stuttgarter Konzern hätte theoretisch die Möglichkeit, eigene Aktien zurückzukaufen. Die Aktionäre von Daimler-Chrysler hatten das Unternehmen auf der Hauptversammlung im vergangenen Jahr zum Rückkauf eigener Aktien im Volumen von bis zu rund zehn Prozent des Grundkapitals - entsprechend etwa 100 Mill. Aktien - ermächtigt. Die Ermächtigung ist bis 18. Oktober 2001 befristet. Finanzexperten gehen aber davon aus, dass ein Aktienrückkauf zur Stützung des Aktienkurses nur Sinn macht, wenn sich die Aktie in einer Aufwärtsbewegung befindet.

Zuletzt hatte es an den Finanzmärkten mehrfach Spekulationen gegeben, Daimler-Chrysler könnte wegen des im Zusammenhang mit den Problemen bei der US-Tochter Chrysler stark gesunkenen Aktienkurses zum Übernahmeobjekt werden. Die Daimler-Chrysler - Aktie hatte zwischen Frühjahr 1999 und Ende 2000 mehr als die Hälfte ihres Wertes verloren und Ende Dezember einen Tiefststand von 42,70 Euro erreicht. Seitdem hat sich die Aktie wieder auf Werte um etwa 50 Euro erholt. Die Marktkapitalisierung des größten deutschen Konzerns beträgt derzeit damit etwa 50 Mrd. Euro.

An der New Yorker Börse drehte der Kurs der Daimler-Chrysler - Aktie nach dem Bekanntwerden des angeblichen Auftrags an die beiden Banken ins Plus und schloss den Handel mit einem Zuwachs um 1,59 % auf 48,04 $ ab. In Deutschland startete die Aktie am Mittwoch dann ebenfalls mit Kursgewinnen in den Handel. Kurz nach Börsenbeginn wurde die Aktie im Xetra-Handel mit gut 51 Euro um etwa 2,5 % über dem Vortagesschluss notiert.

Daimler-Chrysler leidet derzeit unter hohen Verlusten ihrer Tochter Chrysler. Nach früheren Prognosen des Konzerns dürfte die US-Sparte alleine im vierten Quartal 2000 einen Verlust von 1,4 Mrd. Euro erwirtschaftet haben. Ende Februar will Daimler-Chrysler ein Konzept zur grundlegenden Neuausrichtung von Chrysler vorlegen. Bereits am Montag hatte der Konzern angekündigt, bei Chrysler 26 000 der zuletzt 125 000 Stellen zu streichen und sechs Werke zu schließen.

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