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03.01.2003

08:11 Uhr

Großunternehmen etwas zuversichtlicher

Mittelstand hat 2003 schon abgeschrieben

Der deutsche Mittelstand steht vor einem weiteren harten Jahr. Zwei von drei Unternehmen mit 100 bis 500 Beschäftigten erwarten 2003 stagnierende oder sogar sinkende Umsätze. Das ergab eine Umfrage des Psephos-Instituts für Wahlforschung bei über 800 deutschen Unternehmensführern im Rahmen des Handelsblatt Business-Monitors. Auch die Manager von Unternehmen mit 500 bis 5 000 Beschäftigten erwarteten mehrheitlich einen allenfalls gleichbleibenden Umsatz. Deutlich optimistischer zeigten sich hingegen Lenker von Großunternehmen: Hier sagten 56 % der Befragten ein Umsatzplus voraus.

dih/gil/wb DÜSSELDORF. Noch weitaus pessimistischer als die Lage des eigenen Unternehmens schätzten die Manager die Situation ihrer jeweiligen Branche ein. Nur 20 % sagten insgesamt ein Umsatzwachstum voraus, und auch hier zeigten sich die Manager von Großunternehmen mit 37 % weitaus zuversichtlicher als die Mittelständler.

Verhalten beurteilen die Unternehmensführer auch die volkswirtschaftlichen Aussichten. Nur 14 % der Befragten glauben an ein Wirtschaftswachstum von mehr als einem Prozent. Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) hält hingegen an seiner Prognose von 1,5 % Wachstum fest.

Die schlechte Lage des Mittelstandes bestätigt Roland Nolte von der IKB Deutsche Industriebank in Düsseldorf: "Ein Blick auf die Insolvenzstatistik zeigt, dass der Mittelstand überdurchschnittlich betroffen ist." Kleine Unternehmen hätten wenig Möglichkeiten, über das Exportgeschäft einen Ausgleich für die schwache Binnenkonjunktur zu erreichen.

Die überwiegend mittelständischen deutschen Maschinenbauer gehen im wesentlichen mit den Erwartungen des Business Monitors konform. Nach einer Umfrage ihres Branchenverbands VDMA erwarten sie 2003 im Schnitt zwar einen Zuwachs der Inlandsproduktion von 2 %. Doch die Wachstums-Hoffnung wird nur von 44 % der Manager getragen - 19 % rechnen mit Stagnation, 37 % gar mit sinkender Produktion.

Die schlechte Wirtschaftslage und die Unzufriedenheit mit der Politik der Bundesregierung haben viele Unternehmen veranlasst, Investitionen lieber im Ausland zu tätigen oder ganz zu streichen. Jeder dritte der im Rahmen des Handelsblatt-Business-Monitors befragten Manager gab an, sein Unternehmen habe Investitionen gestrichen, 8 % haben sie ins Ausland verlagert und 9 % haben beides getan. Den Trend der Verlagerung der Investitionen bestätigt Gotthard Graß, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI). Während früher vor allem Großunternehmen Investitionen verlagert hätten, suchten jetzt auch Mittelständler günstige Auslandsstandorte, vor allem in Mittel- und Osteuropa.

Beim Maschinenbau haben nach Angaben des VDMA rund ein Viertel der Unternehmen in den vergangenen drei Jahren Teile der Produktion ins Ausland verlagert. In diesem Jahr haben 54 % solche Absichten.

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