Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.01.2001

12:25 Uhr

Grüne klären Führungsfrage

Claudia Roth soll Grünen-Parteivorsitz übernehmen

Mit der Kandidatur der Bundestagsabgeordneten Claudia Roth für den Parteivorsitz zeichnet sich bei den Grünen eine schnelle Lösung ihres Führungsproblems ab. Die 45-jährige Menschenrechtsexpertin kündigte ihre Bewerbung um die Nachfolge der scheidenden Renate Künast am Freitag am Rande der Grünen-Klausurtagung in Wörlitz bei Dessau an.

dpa WÖRLITZ. Die Bewerbung der Berufspolitikerin vom linken Flügel stieß in der Partei und beim Koalitionspartner SPD auf breite Zustimmung. Ihre Wahl auf der Bundesdelegiertenkonferenz am 10. März in Stuttgart gilt als sicher. Ob es eine Gegenkandidatin geben wird, ist offen. Die Neuwahl ist nötig, weil Künast als neue Verbraucherschutzministerin nach den Regeln der Grünen ihr Parteiamt nicht behalten darf.

Roth sagte vor Journalisten, sie wolle den ernsthaften Versuch machen, "die sehr erfolgreiche Arbeit des bisherigen Bundesvorstandes fortzusetzen". Dabei wolle sie auch sehr integrativ in die Partei hinein arbeiten und dazu beitragen, dass alle Spektren im Grünen - Vorstand vertreten seien. "Ich traue mir zu, zur Profilierung der grünen Partei und ihrer Politik nach draußen beizutragen."

Menschen- und Bürgerrechtspolitik

Schwerpunkte will sie auf Menschen- und Bürgerrechtspolitik legen. Auch der Kampf gegen Rechtsextremismus und die Flüchtlingspolitik seien für sie vorrangig. Roth stellte klar, dass sie ihr Bundestagsmandat im Falle der Wahl zur Parteivorsitzenden nach den Regeln der Grünen über die Trennung von Amt und Mandat aufgeben wird. Im Parlament ist sie bisher Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses. Roth gehört dem Bundestag seit 1998 an. Zwischen 1989 und 1998 war sie Abgeordnete des Europaparlaments und zeitweise Vorsitzende der Grünen-Fraktion.

Der andere Vorsitzende der Grünen, Fritz Kuhn, äußerte sich zufrieden über Roths Kandidatur. "Wir werden eine neue und gute Doppelspitze erleben", sagte er am Rande der Klausurtagung. Besonders zufrieden sei er, dass den Grünen mit der schnellen Entscheidung eine lange Personaldiskussion erspart bleibe.

Roth hatte nach Beratungen mit ihren Vertrauten vom linken Flügel in der Nacht zum Freitag zunächst mit Kuhn gesprochen. Beide kennen sich seit 1974 durch eine Tätigkeit am Memminger Theater und vom späteren gleichzeitigen Studium der Theaterwissenschaften in München.

Auch die SPD begrüßte die Kandidatur Roths. "Wir kennen sie aus ihrer Arbeit in der Europa- und der Menschenrechtspolitik als engagierte Politikerin", sagte SPD-Generalsekretär Franz Müntefering in Berlin. "Wir gehen von einer guten Zusammenarbeit aus."

Auf Zustimmung stieß die Kandidatur auch bei anderen Spitzenpolitikern der Grünen. Künast äußerte sich erfreut. Bundesgeschäftsführer Reinhard Bütikofer sagte: "Ich kann mir vorstellen, dass das Pendant klappt." Bundesumweltminister Jürgen Trittin, der wie Roth zum linken Flügel zählt, sagte, sie sei "eine hoch qualifizierte Kandidatin mit langer Erfahrung". Mit ihrer Kandidatur setze die Partei ein klares Signal. "Sehr zufrieden" äußerte sich auch der Alt-Linke Hans-Christian Ströbele.

Auch aus den Landesverbänden gab es positive Reaktionen. "Das ist eine supergute Kandidatin - fachlich eine der Besten, die wir haben", sagte die stellvertretende Vorsitzende der Grünen-Fraktion im NRW- Landtag, Barbara Steffens. Ähnlich äußerte sich Regina Michalik, die Berliner Grünen-Vorsitzende. Beide hatten selbst als mögliche Kandidatinnen gegolten.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×