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08.04.2003

14:25 Uhr

Grundig droht das Aus

Niedergang einer großen Marke

Der Name steht für Wertarbeit "Made in Germany", für Unternehmertum und Wirtschaftswunder: Mit dem Niedergang von Grundig droht die letzte große Marke der deutschen Unterhaltungselektronik zu verschwinden. In einem von ausländischen Großkonzernen dominierten Markt haben aus Deutschland nur noch Nischenanbieter eine Überlebenschance.

HB/dpa NÜRNBERG. Ein renommierter Hersteller nach dem anderen ist in den vergangenen Jahren vom Markt verschwunden oder wurde aufgekauft - Telefunken etwa, das 1983 zunächst vom französischen Thomson-Konzern übernommen wurde, ehe 1995 das endgültige Aus kam. Oder Schneider im schwäbischen Türkheim: Nach der Insolvenz griff im vergangenen Jahr ein chinesischer Investor zu und sicherte sich Markenrechte und lukrative Unternehmensteile.

Heute haben die Großkonzerne Sony, Matsushita (Marke: Panasonic) und Philips den deutschen Markt weitgehend untereinander aufgeteilt. Nach Angaben der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu) geht es um ein Umsatzvolumen von rund 9,3 Mrd. ?, von denen 2,8 Mrd. ? auf Fernsehgeräte entfallen.

Grundig gab seine Marktanteile bei einem Gesamtumsatz von 1,2 Mrd. ? zuletzt mit rund zehn Prozent an. Vergleichsweise bescheiden nehmen sich die beiden anderen noch verbliebenen deutschen Hersteller aus: Loewe aus dem oberfränkischen Kronach kam im vergangenen Jahr auf 375 Mill. ? Umsatz, das Familienunternehmen Metz aus Zirndorf bei Fürth meldete für 2001 einen Umsatz von 121 Mill. ?.

Doch Loewe und Metz haben geschafft, woran Grundig scheiterte: Sie fanden und sicherten ihre Marktnischen. Metz ist nach Aussage von Branchenexperten im Fachhandel sehr gut angesehen und profitiert von seiner hohen Handelsbindung. Loewe wiederum gilt als besonders innovativ. Beide Unternehmen bedienen aber nicht den Massenmarkt. Grundigs Schwierigkeiten resultieren letztlich aus einer Teilung des Marktes in ein Hochpreis- und ein Billigsegment - Branchenkenner sprechen vom "Media-Markt-Effekt". Das Mittelsegment, in dem Grundig tätig war, sei weggebrochen.

Das Siechtum der vergangenen Jahre hat die Marke weiter beschädigt. "Der große Nachteil für Grundig ist, dass der Markenname identisch ist mit dem Unternehmen", erklärt Wolfgang Twardawa, Markenexperte beim Marktforschungsinstitut GfK. "Alle Negativmeldungen wirken direkt auf die Marke." Die Verbraucher zögen Kompetenz und Verlässlichkeit zunehmend in Zweifel. Fachleute vermuten denn auch, dass der Grundig-Umsatz in diesem Jahr kräftig einbrechen wird.

Echte Rettungschancen sehen Beobachter für das Traditionsunternehmen nicht mehr. "Was da passiert, lässt einem das Herz bluten", sagt ein Branchenexperte. "Grundig ist deutsches Urgestein." Firmengründer Max Grundig (1908-1989) zählte zu den drei großen Unternehmerpersönlichkeiten des vergangenen Jahrhunderts in Nürnberg und Fürth. Das Lebenswerk von Gustav Schickedanz (1897- 1977), der Quelle-Versandhandel, wurde an Karstadt verkauft, Theo Schöllers Eisimperium gehört heute zu Nestle. Von Grundig bleibt möglicherweise bald wenig mehr als die Erinnerung.

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