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08.04.2003

16:20 Uhr

Grundig-Pleite droht

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Die Hoffnung stirbt zuletzt - zumindest auf den Elektronikkonzern Grundig scheint das zuzutreffen. Noch immer bestünden "aussichtsreiche Kontakte zu weiteren Interessenten", ließ das Unternehmen nach einer Aufsichtsratssitzung am Dienstag wissen.

HB/dpa NÜRNBERG. Tatsächlich aber scheint nach dem Absprung der türkischen Beko-Gruppe alles auf ein Insolvenzverfahren zuzulaufen. Kaum anders ist es nach Ansicht von Branchenkennern zu interpretieren, dass in Eberhard Braun ausgerechnet ein gefragter Insolvenzverwalter zum neuen Vorstandschef und Nachfolger von Hans-Peter Kohlhammer berufen wurde.

Braun bringt viel Routine in Insolvenzfällen mit. Bei der Flowtex - Pleite im baden-württembergischen Ettlingen, dem größten Betrugsfall der deutschen Wirtschaftsgeschichte, wurde er ebenso gerufen wie beim oberbayerischen Regionalflugzeugbauer Fairchild Dornier oder beim fränkischen Porzellanhersteller Winterling. Grundig will Brauns Erfahrung nun "für die anstehenden Umgestaltungen nutzbar" machen.

Dies könnte für die Einleitung einer so genannten Insolvenz in Eigenverwaltung sprechen. Dabei wird das Management von einem vom Gericht eingesetzten Sachwalter kontrolliert, behält aber einen größeren Handlungsspielraum. Das Gericht muss entscheiden, ob ein solches Verfahren, dessen Ziel die Unternehmenssanierung ist, zugelassen wird. Mit Brauns Berufung dürfte die Wahrscheinlichkeit dafür steigen.

Bitter ist die Entwicklung für den bisherigen Vorstandschef Kohlhammer. Er war im Mai 2001 zu Grundig gekommen - zu spät, um den bereits schlingernden Grundig-Tanker wieder auf Kurs zu bringen. Die Nürnberger hatten den technologischen Anschluss verpasst und zwischen Hochpreis- und Billigsegmenten ihre angestammten Märkte verloren. Der Konjunktureinbruch nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 tat ein Übriges.

Kohlhammer wollte ein Insolvenzverfahren unbedingt vermeiden, wie es in seiner Umgebung hieß. Doch in den Übernahmeverhandlungen erst mit dem taiwanesischen Sampo-Konzern, dann mit den Türken von Beko, hatte er außer Schulden nur wenig zu bieten. Durch das nach Aussage von Beobachtern unberechenbare Verhalten von Grundig-Eigner Anton Kathrein wurde seine Aufgabe nicht leichter. Der Rosenheimer Antennenbauer fehlte auch am Dienstag bei der so wichtigen Aufsichtsratssitzung in München.

Sollte es zur Insolvenz kommen, dann werden wohl auch frühere Interessenten wieder bei Grundig vorstellig werden. "Der Preis für das Unternehmen als ganzes oder für Teilbereiche dürfte dann drastisch sinken", spekulierte die "Süddeutsche Zeitung" bereits. Sampo wie auch Beko waren vor allem am noch immer guten Markennamen und am Grundig-Vertrieb mit 29 000 Fachhändlern in Europa interessiert. Für die knapp 4000 Grundig-Beschäftigten, darunter 1300 in Nürnberg, dagegen wird die Hoffnung immer geringer.

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