Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.01.2003

10:00 Uhr

Grundsatzurteil

Auch Kellerarchiv gilt als Arbeitszimmer

Das "Häusliche Arbeitszimmer" ist laut Bundesfinanzhof (BFH) ein Raum, der seiner Lage, Funktion und Ausstattung nach in die häusliche Sphäre eingebunden ist und vorwiegend der Erledigung gedanklicher, schriftlicher oder organisatorischer Arbeiten dient.

mkm MÜNCHEN. Eine Grundsatzentscheidung zum Begriff des "häuslichen Arbeitszimmers" hat in einem kürzlich veröffentlichten Urteil der Bundesfinanzhof (BFH) getroffen. "Häusliches Arbeitszimmer" ist danach ein Raum, der seiner Lage, Funktion und Ausstattung nach in die häusliche Sphäre eingebunden ist und vorwiegend der Erledigung gedanklicher, schriftlicher oder organisatorischer Arbeiten dient.

Diese Begriffsbestimmung war notwendig geworden, weil der Gesetzgeber ab 1996 eine Abzugsbeschränkung für die Kosten häuslicher Arbeitszimmer eingeführt hat. Früher waren diese Aufwendungen unbeschränkt als Werbungskosten oder Betriebsausgaben abziehbar, wenn die private Nutzung des Raums von völlig untergeordneter Bedeutung war. Ob diese Voraussetzung vorlag, war wegen des untrennbaren Bezugs zum Wohnbereich schwer zu beurteilen. Nach der Neuregelung sind Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer nur dann als Werbungskosten oder Betriebsausgaben abziehbar, wenn entweder die berufliche Nutzung des Arbeitszimmers mehr als 50 % der beruflichen Tätigkeit beträgt oder wenn kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. In diesen Fällen wird die Höhe der abziehbaren Aufwendungen regelmäßig gekürzt.

Die Rechtsprechung des BFH hatte den Begriff des Arbeitszimmers schon zuvor verwendet. Sie bezeichnete damit einen Raum, dessen zentrales Möbelstück der Schreibtisch war, im Gegensatz zu einer Werkstatt, einem Lager oder einer Praxis. Allerdings hatten diese unterschiedliche Bezeichnungen früher keine steuerliche Auswirkung. Darauf, dass der Gesetzgeber bei Einführung der Abzugsbeschränkung ebenfalls an diese Unterscheidung gedacht hat, deutet die Gesetzesbegründung. Danach zählen zu den "Arbeitszimmern" kleine Steuerberater- oder Rechtsanwaltspraxen. Arztpraxen sind demgegenüber in der Gesetzesbegründung nicht als Beispiel für die Abzugsbeschränkung aufgeführt.

Ein Archivraum kann der Abzugsbeschränkung unterliegen, weil er eine Teilfunktion des typischen Arbeitszimmers erfüllt. Über eine ärztliche "Notfallpraxis" mit separatem Eingang wird der BFH demnächst entscheiden.

Aktenzeichen BFH:
VI R 70/01

Quelle: Handelsblatt

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×