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26.01.2001

10:02 Uhr

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Gruner+Jahr-Tochter will Werbung auf Handys etablieren

Das Werbefilmunternehmen Active-film.com AG sucht neue Wege, um die Kosten für den neuen Mobilfunkstandard UMTS zu senken. Vorstandsmitglied Axel Glanz sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die Grundidee sei, werbetreibende Unternehmen an den Kosten für den laufenden UMTS-Betrieb zu beteiligen.

Reuters FRANKFURT. So könnten sich Handy-Nutzer für die Schaltung innovativer Werbespots auf ihren Mobiltelefonen Gesprächsminuten gutschreiben lassen. Die Mobilfunkanbieter könnten so ihre Netze besser auslasten und erhielten Zugang zur Werbeindustrie als neuer Einnahmequelle. Im Gegenzug bekämen die werbenden Unternehmen direkten Zugang zum individuellen Endkunden. Active-film.com verhandelt eigenen Angaben zufolge mit zwei deutschen Mobilfunkanbietern. Zu Einzelheiten des Verhandlungstandes und zu den Verhandlungspartnern wollte sich Vorstandsmitglied Glanz nicht näher äußern. Die Bertelsmann-Tochter Gruner+Jahr ist mit 42 % an Active-film.com beteiligt. 4,8 % hält die Dresdner Bank. Die Mehrheit des Kapitals liegt in den Händen der 30 Mitarbeiter.

Die im Februar 2000 gegründete Active-film.com AG entwickelt und vermarktet interaktive Werbefilme für Internet und TV. Für das auf die finanzielle Beteiligung Dritter am UMTS-Mobilfunkbetrieb ausgerichtete Geschäftsmodell hat Active-film.com ebenso wie für das Abspielen interaktiver Filme über Mobiltelefone europaweit Patentschutz beantragt. Auch die von dem Unternehmen geplanten Bonusmodelle für Mobilfunk-Endkunden sind nach Firmenangaben als Patent angemeldet worden. Vergleichbare Aktivitäten anderer Unternehmen sind Glanz nicht bekannt: "Auch in Japan gibt es meines Wissens niemanden, der interaktive Werbefilme herstellt und vermarktet." In Japan werde statt mit Film stärker mit Animation und Trick gearbeitet.

Die von Active-film.com produzierten Werbefilme sind den Angaben zufolge auf Grund "filmischer Tricks" für die Übertragung über Mobiltelefone geeignet. Auf der Basis der Übertragungs-Geschwindigkeiten eines ISDN-Anschlusses liefen die Filme ohne Wartezeit, sagte Glanz. Daher sei die Übertragung und die Betrachtung der Filme mit der neuen Mobilfunktechnik GPRS kein Problem. GPRS gilt als Vorstufe zu einer deutlich höheren Übertragungsgeschwindigkeit in Mobilfunknetzen, die das mobile Surfen im Internet alltäglich machen soll. Vor allem multimediale Inhalte sollen dann schnell auf Mobiltelefonen nutzbar sein.

In Branchenkreisen wird das Geschäftsmodell von Active-film.com als "nahe liegende und gute Idee" bezeichnet. Derzeit gebe es im Mobilfunk kein klassisches Werbegeschäft. Bereits vor dem für 2003 erwarteten Start des UMTS-Geschäfts werde es zu einem Verteilungskampf der Werbeindustrie um die Mobilfunknutzer kommen.

Branchenkenner warnten jedoch, dass die geschützten Rechte und Technologien active-film.com zu einer monopolistischen Stellung auf dem Mobilfunk-Werbemarkt verhelfen könnten. Nach den Worten von Vorstandsmitglied Glanz will Active-film.com unter Umständen auch Lizenzen an andere Unternehmen vergeben.

Hintergrund der laufenden Verhandlungen des in Frankfurt ansässigen Unternehmens mit den Mobilfunkanbietern sind die im europäischen Vergleich hohen Kosten für den UMTS-Mobilfunk in Deutschland. In Deutschland haben die sechs UMTS-Lizenznehmer knapp 100 Mrd. DM für die UMTS-Lizenzen bezahlt. Die zusätzlichen Netzinvestitionen werden deutlich zweistellig ausfallen. Es bestehen Zweifel, dass die derzeitigen Ausgaben der Verbraucher für Telekommunikation und entsprechende Dienstleistungen eine schnelle Refinanzierung der Kosten für den UMTS-Mobilfunkbetrieb erlauben werden. Daher sind die Mobilfunkanbieter grundsätzlich daran interessiert, außer den Nutzungsgebühren von Privat- und Geschäftskunden noch andere Einnahmen zu erzielen.

Active-film.com hat eigenen Angaben zufolge zwischen September und Dezember vergangenen Jahres einen Umsatz von vier Mill. DM erzielt. Kunden sind unter anderem TUI, Renault, Volkswagen, Siemens, Kreutzer Reisen und General Motors.

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