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03.08.2000

11:54 Uhr

afp Moskau. Der kremlkritische Medienkonzern Media-MOST hat Aussagen eines russischen Regierungsvertreters dementiert, wonach das Medienunternehmen durch den staatlichen Erdgaskonzern Gasprom übernommen werden soll. In den gegenwärtigen Verhandlungen zwischen Media-MOST und Gasprom gehe es lediglich um die Rückzahlung der Kredite, jedoch nicht um eine Übernahme, sagte die Sprecherin des unabhängigen Medienkonzerns Jelena Bruni am Donnerstag. Der stellvertretende Verwaltungschef des Kreml, Wladislaw Surkow, hatte zuvor der US-Tageszeitung "New York Times" (Donnerstagsausgabe) gesagt, wegen der hohen Schulden von Media-MOST sei eine Übernahme durch den größten Kreditgeber Gasprom möglich.

Bruni zufolge will der Kreml damit über Medienberichte Druck auf Media-MOST ausüben. Etwa die Hälfte des Medienunternehmens wird von Gasprom kontrolliert. Allein der Fernsehsender der Gruppe, NTW, hat mehr als 300 Millionen Dollar (610 Millionen Mark) Schulden bei Gasprom. Der weltgrößte Erdgasproduzent wird nach Meinung von Regierungskritikern schon seit längerem vom Kreml gedrängt, seine Kredite für Media-MOST zurückzuziehen, was der finanziell angeschlagenen Mediengruppe das Genick brechen könnte. Die Unternehmen von Media-MOST, wie etwa der landesweite Fernsehsender NTW, gehören zu den wenigen Medien, die kritisch über den Tschetschenien-Krieg und die Politik des Kreml berichten.

Media-MOST war in den vergangenen Monaten wiederholt Ziel von Beschlagnahmungen und Durchsuchungen. Im Juni war der Chef der Gruppe, Wladimir Gussinski, wegen angeblichen Betrugs vorübergehend festgenommen worden und verbrachte vier Tage im Gefängnis, bevor er wieder frei kam. Erst in der vergangenen Woche wurden die Ermittlungen gegen ihn eingestellt. Danach gab es Gerüchte, wonach Gussinski sich im Gegenzug verpflichtete, in Zukunft die Regierungskritik einzuschränken. Kurze Zeit später begannen nach Regierungsangaben die Verhandlungen zwischen Gasprom und Media-MOST.

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