Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.07.2000

21:10 Uhr

Gut gefülltes Auftragsbuch aus der kommerziellen Luftfahrt – Investoren haben Anlass zu Optimismus

Boeing bekommt wieder Luft unter die Flügel

VonRUDI KULZER

Nach vier turbulenten Jahren, in denen der Marktführer der Flugzeugbauer arg gebeutelt wurde, steuert Boeing nun auf ruhigere Zeiten zu. Die Folgen des Streiks scheinen überwunden zu sein. Gut gefüllte Auftagsbücher aus der zivilen Luftfahrt und dem Pentagon lassen Investoren auf eine gute Rendite hoffen.

PALO ALTO. Die Analysten sind sich einig: Für die Investoren des Flugzeug- und Rüstungskonzerns Boeing aus Seattle sind die "Anschnallzeichen" noch nicht erloschen. Auch wenn das Ergebnis des zweiten Quartals und die jüngst auf der internationalen Luftfahrtschau in Farnborough in England verkündete Auftragslage versprechen, dass die Turbulenzen der letzten Jahre bald vorbei sein werden, sei noch Vorsicht geboten.

Die Aktie des angeschlagenen Flugzeugbauers hat sich seit dem März-Tief von 32 $ jedenfalls erholt und näherte sich am Mittwoch bei Parkettschluss in New York mit einem Kurs um 48 $ ihrem 52-Wochen-Hoch. Investoren jedoch, die nach Boeings Übernahme des Mitbewerber McDonnell Douglas im Juli 1997 für 16 Mrd. $ die Boeing-Aktie (Kürzel: BA, Nyse) gekauft haben, sind für ihren Einsatz noch nicht belohnt worden. Damals erreichte das Luftfahrtpapier einen Höchststand von 60 $.

Die seither verkündeten Quartalsergebnissen ließen zu wünschen übrig und viele Investoren an der Zukunft des größten Flugzeugbauers der Welt zweifeln. Schwierigkeiten mit der Belegschaft und den Gewerkschaften, eine Straffung der Jetliner-Produktion sowie ein an der Substanz zehrender Wettbewerb mit europäischen Airbus-Konkurrenten haben fast vier Jahre lang für negative Schlagzeilen gesorgt.

Das Mitte Juli verkündete Quartalsergebnis könnte der Auftakt zu einer Trendwende sein, glauben einige Analysten. Den Anfang dafür habe die Beendigung eines 40-Tage- Streiks gebildet. Der von Boeing - Chairman Phil Condit verkündete Gewinn von 71 Cent je Aktie übertraf die Erwartungen der Analysten, die nach Angaben von First Call/Thomson Financial erst bei 64 Cent lagen und dann auf 66 Cent korrigiert wurden. Erleichert konnte Condit seine bisherigen Einschätzungen für das laufende Geschäftsjahr 2000 nach oben korrigieren und für das kommende Jahr sogar um 10 % erhöhen. Als Grund dafür nannte er vor allem Aufträge aus der - nach ihrer Finanzkrise - wiedererstarkten Wirtschaftsregion Asien-Pazifik. Die Vorhersage für 2002 verbesserte Condit auf der Basis der Einschätzungen für 2001.

In Gesprächen mit Analysten Mitte des Monats setzte Condit eine Gewinnspanne von 7 % für das laufende Geschäftsjahr und 8 % für 2001 als Zielvorgabe fest. Im jüngst abgeschlossenen Quartal lag diese bei 8,9 %, und damit doppelt sie hoch wie in den Vorjahren. Darüber hinaus war der Boeing-Chef überzeugt, das der Flugzeugbauer "on track" sei, bald wieder zweistellige Gewinnspannen zu erreichen.

Analystin Heidi Wood von Morgan Stanley Dean Witter erhöhte ihre Gewinnvorhersagen für die Jahre 2001 und 2002 um 20 Cent pro Aktie. Auf längerfristigere Vorgaben wollte sie sich jedoch nicht einlassen. Sie befürchtet, die Führungsmannschaft könnte etwas "unrealistisch" die Möglichkeiten einer Rezession in der USA oder in anderen Wirtschaftsregionen außer Kalkül lassen, die zu einer weniger starken Auftragslage führen würde.

Doch zurzeit sind die Orderbücher bei Boeing gefüllt. Auf der International Air Show in Farnborough ist es zwar der Airbus Industrie erneut gelungen, den Amerikanern aus Seattle ein wenig die Schau zu stehlen. Doch die Boeing - Ankündigung von Aufträgen für insgesamt 114 neue Jetliner der kommerziellen Luftfahrt mit einer Auftragssumme von etwa 11 Mrd. $ war endlich eine gute Nachricht für Investoren.

Dabei setzt Boeing vor allem auf seine neuen Langstreckenjets der 777-Familie und auf eine verbesserte Version der bekannten Modellreihe 737. Darüber hinaus hat Boeing aus dem US-Verteidigungministerium einen 622 Mill. $ umfassenden Auftrag für neun neue Jagdflugzeuge der Serie F-15 und F-16 erhalten. Diese werden in Kooperation mit Lockhead gebaut.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×