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07.07.2000

13:28 Uhr

vwd BERLIN. "Die Ergebnisse der amtlichen Statistik unterschätzen den Grad der Konzentration systematisch und teilweise erheblich", schreibt die Monopolkommission in ihrem am Freitag in Berlin vorgelegten 13. Hauptgutachten. Deshalb habe man versucht, mit Hilfe privater Konzernstrukturdatenbanken einen realistischen Ansatz zur Konzentrationserfassung zu entwickeln. Diese komme zum Ergebnis, dass der tatsächliche Konzentrationsgrad die offiziellen amtlichen Angaben teilweise um das Zwei- bis Dreifache übersteigt.

Die Zunahme von Zusammenschlüssen zwischen Großunternehmen in jüngster Zeit hat die Monopolkommission zum Anlass genommen, das Thema Megafusionen aufzunehmen und zu prüfen, inwieweit hiervon wettbewerbliche und wettbewerbstranszendierende Gefahren ausgehen. Die Auswirkungen solcher Fusionen seien ambivalent. Einerseits könnten Effizienzgewinne in Form von Größen- und Verbundvorteilen realisiert werden, andererseits bestünden wettbewerbspolitische Risiken aufgrund zunehmender Verengung der Märkte. daneben seien gesellschaftspolitische Gefahren durch mögliche Einflüsse auf wirtschaftspolitischen Entscheidungen zu berücksichtigen.

Aus derzeitiger Sicht hält die Monopolkommission das kartellrechtliche Schutzniveau aber für ausreichend. Das Auswirkungsprinzip, das dem amerikanischen und europäischen Fusionskontrollrecht zugrunde liegt, erlaube eine Prüfung von Zusammenschlüssen, unabhängig in welchen Land sie vollzogen werden. "Wir befürworten die Erarbeitung von Mindeststandards bei der WTO, sehen ansonsten bei Megafusionen keinen Handlungsbedarf", sagte der Vorsitzende der Kommission, Prof. Wemhard Möschel, in Berlin bei der Vorlage des Gutachtens.

In Deutschland folge die Konzentrationsentwicklung keinem wettbewerbspolitisch bedenklichen Trend, heißt es in dem Gutachten weiter. Allerdings wiesen einige Wirtschaftszweige - hierzu gehörten u.a. des Kredit- und das Versicherungsgewerbe - einen anhaltend hohen Konzentrationsgrad auf, begleitet von einer im Vergleich zu anderen Branchen überdurchschnittlichen Rentablität der großen Unternehmen. Zur Konzentrationsstatistik sagte Möschel, "die Zahlen des Statistischen Bundesamtes taugen für unsere Zwecke nichts." Deutschland befinde sich bei der Erfassung der Daten innerhalb der EU im unteren Drittel.

Zu der von der Monopolkommission monierten Diskrepanz zwischen den amtlich ermittelten und den tatsächlich gegebenen Größenstrukuren der Wirtschaft wird beispielhaft auf die Struktur der größten Anbieter im Lebensmitteleinzelhandel 1997 hingewiesen. Danach kommt die amtliche Statistik für die zehn größten Anbieter zu einem Marktanteil von 34,5 %. Tatsächlich habe aber der Marktanteil der zehn größten Konzernen und Gruppen bei 83,6 % gelegen.

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