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21.07.2000

20:13 Uhr

Gute Vorgaben der Wall Street verpufften

Europäische Börsen leiden zum Wochenausklang unter Gewinnwarnungen

Für Druck sorgten Gewinnwarnungen des schwedischen Telekomausrüsters Ericsson und der US-Computertochter von Hewlett-Packard, Agilent. Technologie- und Telekommunikationswerte zählten dementsprechend zu den deutlichsten Verlierern

Reuters FRANKFURT - Die europäischen Börsen haben am Freitag mit Ausnahme von Wien schwächer geschlossen. Die guten Vorgaben der Wall Street vom Donnerstag verpufften, da sich früh Gewinnmitnahmen an den US-Börsen zum Wochenschluss ankündigten. Für Druck sorgten Gewinnwarnungen des schwedischen Telekomausrüsters Ericsson und der US-Computertochter von Hewlett-Packard, Agilent. Technologie- und Telekommunikationswerte zählten dementsprechend zu den deutlichsten Verlierern. Zum Teil führten Händler auch den Verfallstermin an den Termimbörsen als Grund für den schwächeren Trend an.

Der Stoxx-50-Index für die größten Unternehmen aus der EU und der Schweiz fiel bis gegen 19.10 Uhr MESZ um zwei Prozent auf 4948 Zähler, der Euro-Stoxx-50-Index für die Blue Chips aus der Europäischen Währungsunion (EWU) rutschte um 1,4 % auf 5241 Punkte. Der am Donnerstag festere Dow-Jones-Index 30 führender Standardwerte tendierte am Freitag zu Marktschluss in Europa 0,9 % schwächer auf 10 750 Zählern. Der technologielastige Nasdaq-Composite-Index büßte nach dem Zuwachs vom Vortag knapp die Hälfte seiner Gewinne wieder ein und lag 1,5 % im Minus bei bei 4120 Punkten.

LONDON - FTSE-Index tiefer

An der Londoner Börse ist der FTSE-100-Index bei deutlichen Verlusten des Schwergewichts Vodafone AirTouch um 1,4 % auf 6378,4 Punkte gesunken. Vodafone litten Händlern zufolge unter der von Problemen in der Handysparte ausgelösten Gewinnwarnung bei Ericsson. Vodafone-Aktien gaben 3,6 % auf 296 Pence nach. Auch Zinssorgen hätten den Markt belastet, sagten Händler. Bei Pharmawerten wie AstraZeneca ging es bergab, da die USA preisgünstige Importe von Großhändlern erlaubten. BP Amoco gaben 2,7 % nach. Es herrsche am Markt die Meinung vor, dass Saudi Arabien als weltweit größter Erdölproduzent die Förderung erhöhen werde, um die Rohölpreise zu senken, sagten Händler. Der Londoner Techmark-Index gewann 0,3 %.

ZÜRICH - SMI-Index moderat schwächer

Die Schweizer Börse hat am Freitag nach einem unspektakulären Optionsverfall leichter geschlossen. Der SMI der Standardwerte schloss 46,3 Punkte oder 0,58 % tiefer bei 7900 Punkten. Der SWX New Market hingegen konnte 0,7 % auf 1644,5 Punkte zulegen. Für die kommenden Tage und Wochen rechnen Händler weiterhin mit einem von dünnen Umsätzen geprägten Handel. Weiter unter Druck standen ABB , die nach der Veröffentlichung der Halbjahreszahlen bereits am Donnerstag deutlich an Boden eingebüßt hatten. Die Aktien verloren 2,73 % auf 195,75 sfr.

PARIS - CAC-Index schwächer

In Paris präsentierte sich die Börse schwächer. Der CAC-Index für die 40 größten Unternehmen fiel um 1,52 % auf 6464,12 Zähler. Weitere Verluste musste France Telecom hinnehmen. Die Papiere fielen um 3,4 % auf 142,5 Euro. Die Internet-Tochter Wanadoo gab um 3,6 Prozent nach. Ebenso wie France Telecom litten Alcatel (minus 1,2 %) und der Mobilfunkanbieter Bouygues (minus 3,7 %) unter der Ericsson-Gewinnwarnung. Der mögliche Zukauf der Deutschen Telekom in den USA belaste zusätzlich, da dies das bislang teuerste Geschäft in der Branche werden könne, wie Händler sagten. Cap Gemini (plus 7,7 %) profitierten von dem jüngsten Kursfeuerwerk bei SAP . Vivendi stiegen leicht auf 91 Euro. Börsenneuling Vivendi Environment notierten knapp behauptet bei 33,65 Euro.

MAILAND - Mib30-Index fällt ein Prozent

Der MIB30-Index ist um ein Prozent auf 48 243 Punkte gefallen. Der Gelbe-Seiten-Anbieter Seat Pagine muss möglicherweise sein Telefonbuchmonopol aufgeben, um die Zustimmung der Wettbewerbsbehörden für die Fusion mit dem Internet-Anbieter Tin.it zu bekommen. Lediglich die Finanzwerte konnten leicht zulegen. RAS stiegen um 1,2 %, Bipop um 0,9 % und Fideuram um 0,9 %. Der Börsenneuling Aeroporte di Firenzi kletterte weiter um 9,4 %.

MADRID - Ibex-Index tiefer

An der Börse in Madrid notierte der Ibex-Index schwächer und fiel um 0,97 % auf 10 879 Punkte. Index-Schwergewicht Telefonica fielen um 1,6 % auf 24,51 Euro, auf Grund anhaltender Unsicherheiten über die Zukunft von Unternehmenschef Juan Villalonga, der Insidergeschäfte getätigt haben soll. Die Internettochter Terra Networks beendete ihren Erholungskurs mit einem knapp behaupteten Schluss bei 46,60 Euro. Während die Hotelgruppe Sol Media von guten Ergebnissen profitierte, büßten Bankinter nach der Vorlage schwacher Zahlen ein.

AMSTERDAM - AEX-Index schwächer

An der Amsterdamer Börse sind die Kurse gefallen. Der AEX-Index rutschte um 0,7 % auf 678,97 Punkte. Die Umsätze seien an dem vom Optionsverfallsdatum gekennzeichneten Tag gering gewesen, sagten Händler. Es sei damit zu rechnen, dass die Käufer nächste Woche an den Markt zurückkehrten. Allerdings nähere sich die Urlaubszeit, was auf die Volumina drücke. Die Aktien des Telekommunikationsanbieters KPN drehten im Handelsverlauf und verloren zwei Prozent. Baan standen weiter unter Druck und gaben um mehr als acht Prozent auf 2,51 Euro nach, nachdem die britische Ivensys Gerüchten zufolge den Kauf von Baan-Aktien am Markt eingestellt hat. Die zuletzt hochfliegenden KLM-Aktien verloren vor den Bekanntgabe der Halbjahreszahlen 3,3 %.

WIEN - ATX-Index höher

Ohne die starke Nachfrage und die gute Kursentwicklung bei Bank Austria hätte sich der Wiener Markt am Freitag wohl dem rückläufigen Trend an Europas Börsen nicht entziehen können. Der ATX schloss auf 1116,78 (1108,44), wobei einzig die Bank Austria das Plus im Index darstellte. Die Gerüchte um die strategische Beteiligung der HypoVereinsbank waren Treibstoff für die Bank-Austria-Aktie. Sie schloss mit 54,99 Euro um 7,45 % höher. Ein Einstieg der HypoVereinsbank bei der Bank Austria sei Gegenstand intensiver Verhandlungen, hieß es am Freitag in informierten Kreisen. Möglicherweise werde der Aufsichtsrat der deutschen Großbank schon Samstag eine Entscheidung treffen. Der die Technologieaktien abbildende Vienna Dynamic Index lag mit 0,97 % im Plus bei 1453,82 Zählern.

BRÜSSEL - Wegen Feiertag geschlossen

STOCKHOLM - OMX-Index deutlich schwächer

Die Stockholmer Börse hat am Freitag mit deutlichen Abschlägen geschlossen. Der OMX-Index büßte 5,12 % auf 1352,48 Punkte ein. Marktschwergewicht Ericsson brachen nach einer Gewinnwarnung für das dritte Quartal um 22,50 schwedische Kronen auf 182,50 Kronen ein. Zeitweise waren die Titel bis auf 175 skr gefallen. Der Vorsteuergewinn sei im ersten Halbjahr zwar deutlich gestiegen. Doch werde das dritte Quartal wegen knapper Komponenten in der Mobiltelefonsparte hinter den beiden vorangegangenen Quartalen zurückbleiben, hatte Ericsson mitgeteilt. Im Sog von Ericsson gaben am Vormittag auch die Aktien des finnischen Mobiltelefon-Weltmarktführers Nokia (minus sechs skr auf 486 skr) nach.

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